Sport bei Erkältung: Wann ja, wann besser nicht

🔄 Zuletzt umfassend überprüft und aktualisiert: 8. September 2026
Läufer steht an einem kalten Morgen am Straßenrand und schaut zögernd nach vorn
Die Entscheidung fällt meistens hier: schon draußen, noch nicht losgelaufen

Wer seinen Sport liebt, der weiß, wovon ich rede.

Egal ob die Nase läuft, der Hals brennt, der Magen knarzt oder der Kopf brummt, wir lassen uns unseren Sport nicht nehmen. Was andere falsch machen, indem sie jedes Wehwehchen als willkommene Begründung für ein ausgefallenes Training nehmen, machen wir Fitness-Enthusiasten oft falsch, indem wir ernsthafte Symptome einfach wegmedikamentieren.

Das kann gut gehen, muss es aber nicht. Und der Unterschied zwischen beidem lässt sich erstaunlich klar benennen – nur nicht mit der Faustregel, die jeder kennt.

Der Neck-Check und wo er aufhört

Die verbreitetste Regel zum Thema heißt Neck-Check, auf Deutsch Nackenregel: Was oberhalb des Halses stattfindet, erlaubt lockere Bewegung. Was unterhalb passiert, bedeutet Pause.

Oberhalb des HalsesUnterhalb des Halses
Schnupfen, verstopfte Nase, leichtes Halskratzen, leichter KopfschmerzHusten, Engegefühl in der Brust, Gliederschmerzen, Fieber, Übelkeit, Durchfall
Lockere Bewegung ist meist vertretbar – kurz, ruhig, am besten draußenPause, ohne Diskussion

Die Regel ist praktisch, weil man sie sich merken kann. Sie greift aber zu kurz, und das sollte man wissen, bevor man sich auf sie verlässt. Sie sagt nichts darüber, welcher Infekt vorliegt, sie ignoriert den Verlauf, und sie kennt keine Zwischenstufe zwischen „geht schon“ und „gar nicht“.

Deshalb hier eine ehrlichere Variante, die den Verlauf und die Warnzeichen mit einbezieht:

Rechner
Darf ich heute trainieren?

Hak ab, was auf dich zutrifft. Ausgewertet wird in drei Stufen: harte Blocker, Stoppsignale und leichte Symptome.

Das ist eine Orientierungshilfe und keine ärztliche Einschätzung. Im Zweifel und bei allem, was länger als eine Woche bleibt, entscheidet der Arzt und nicht der Rechner.

Zwei Punkte in dieser Liste stehen nicht im klassischen Neck-Check und gehören trotzdem hinein.

Der erste ist der Ruhepuls. Er steigt bei einem Infekt, oft bevor du dich richtig krank fühlst, und er ist damit der ehrlichste Frühindikator, den du hast. Zehn Schläge über deinem Normalwert am Morgen sind ein deutliches Zeichen, auch wenn sonst nichts weh tut. Voraussetzung ist, dass du deinen Normalwert kennst – und den bekommst du nur, wenn du ihn über ein paar Wochen im Gesunden gemessen hast.

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Der zweite Punkt sind Medikamente. Wer Ibuprofen oder Paracetamol nimmt und danach trainiert, hat sich das einzige verlässliche Warnsystem abgeschaltet. Die Temperatur sinkt, das Krankheitsgefühl verschwindet, und der Infekt läuft im Hintergrund weiter.

Warum Fieber die harte Grenze ist

Bei allen Zwischentönen gibt es einen Punkt, an dem die Diskussion endet: Fieber. Wer eine Virusinfektion mit erhöhter Temperatur hat und trainiert, geht ein echtes Risiko ein. Sport kann dazu beitragen, dass sich Viren im Körper ausbreiten, und im schlimmsten Fall entsteht eine Herzmuskelentzündung, eine Myokarditis.

Fieber und Sport gehen nicht zusammen

Sicherheitshalber gilt die Grenze schon bei erhöhter Temperatur ab 37,5 Grad, nicht erst bei Fieber ab 38. Kommt Brustschmerz, Engegefühl, Luftnot, Herzstolpern oder ungewöhnliche Leistungsschwäche dazu, gehört das ärztlich abgeklärt – das sind die Zeichen, mit denen sich eine Herzmuskelentzündung meldet.

Wird eine Myokarditis festgestellt, gelten deutlich strengere Regeln: In den Leitlinien stehen mehrmonatige Sportpausen, für Freizeitsportler bei unkompliziertem Verlauf oft drei Monate, für Leistungssportler in der Regel sechs. Der Wiedereinstieg erfolgt erst nach ärztlicher Freigabe.

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37,5 Grad ist eine Messung, kein Bauchgefühl. Genau deshalb nimmt dir das Thermometer die Entscheidung ab

Wer diese oft lebensgefährliche Erkrankung heil übersteht, wird nie mehr bei einem Infekt an Sport denken. Aber so weit muss es ja nicht kommen, und dafür reicht ein Thermometer für unter zwanzig Euro. Es ist das einzige Gerät in diesem Artikel, das eine Entscheidung wirklich abnimmt: Wer 37,8 misst, muss nicht mehr in sich hineinhorchen.

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Das meint der Fitness Guru

Ich habe das einmal ignoriert. Leichtes Fieber, aber der Trainingsplan stand, und die Einheit war eingeplant. Zwei Tage später lag ich flach, und aus drei Tagen Schnupfen wurden zweieinhalb Wochen ohne Training. Rechne das einmal gegen: Die Einheit, die ich retten wollte, hat mich am Ende zwölf gekostet. Seitdem liegt bei mir ein Thermometer im Bad, und die Entscheidung dauert dreißig Sekunden.

Der Fitness Guru erklärt

Was sich seit der ersten Fassung dieses Artikels geändert hat

Hier steht eine Korrektur an, und sie betrifft das Modell, auf dem dieser Text ursprünglich aufgebaut war.

Die Erklärung damals lautete: Intensive Belastung drückt das Immunsystem für einige Stunden nach unten, und in diesem Open Window ist man anfällig für Infekte. Das Bild ist eingängig, es steht in unzähligen Ratgebern, und es hat einen eigenen Artikel auf dieser Seite – den Open-Window-Effekt.

Seit 2018 wird es allerdings ernsthaft bestritten. Campbell und Turner haben in einer viel beachteten Arbeit argumentiert, dass die klassische Deutung auf einem Missverständnis beruht: Die Immunzellen verschwinden nach dem Sport nicht, weil sie ausfallen, sondern weil sie umverteilt werden – in Gewebe, Lunge und Schleimhäute, also dorthin, wo Erreger tatsächlich ankommen. Aus dieser Sicht ist der Abfall im Blut kein Zeichen von Schwäche, sondern von Überwachung.

Dazu kommt ein zweiter Einwand: Ein erheblicher Teil der Atemwegsbeschwerden, die Sportler nach harten Einheiten berichten, ist gar nicht infektiös. Trockene, kalte Luft, Allergien und mechanische Reizung der Atemwege erzeugen dieselben Symptome, ohne dass ein Virus im Spiel wäre.

Was davon praktisch bleibt

Die Empfehlung ändert sich dadurch weniger, als man denkt. Ob dein Immunsystem nach einem Marathon kurz schwächelt oder nur beschäftigt ist: Ein laufender Infekt und harte Belastung sind trotzdem eine schlechte Kombination, und das aus einem Grund, der nichts mit dem Open Window zu tun hat – das Herz. Was sich ändert, ist die Panik vor der normalen Trainingseinheit. Wer dreimal die Woche trainiert, schwächt sein Immunsystem nicht.

Die J-Kurve: moderat schützt, extrem belastet

Das robustere Modell ist die sogenannte J-Kurve. Sie beschreibt das Infektrisiko in Abhängigkeit vom Trainingsumfang, und sie sieht aus wie ihr Namensgeber:

Wie viel du trainierstInfektrisiko
gar nicht, überwiegend sitzendAusgangsniveau
regelmäßig moderat, also die 150 Minuten der WHOniedriger als bei Inaktiven – hier liegt der Bauch des J
sehr umfangreich und sehr intensiv, Wettkampfvorbereitungwieder erhöht, vor allem rund um Wettkämpfe

Für fast alle, die diesen Artikel lesen, ist das eine gute Nachricht: Der Bereich, in dem du trainierst, ist der Bereich mit dem niedrigsten Infektrisiko. Das rechte Ende der Kurve betrifft Menschen im Marathonaufbau oder in der Wettkampfwoche, nicht den dreimal wöchentlichen Studiogänger.

Wann darfst du wieder trainieren?

Zunächst eine Information, die unserem inneren Empfinden widerspricht: Wer über einen längeren Zeitraum regelmäßig trainiert hat, verliert nicht innerhalb von zwei Wochen seine Muskeln, seine Ausdauer oder seine Kraft. Nach ein paar Einheiten ist man wieder auf dem alten Stand. Gerade nach einer Phase intensiven Trainings kann eine Pause sogar wie ein Katalysator wirken.

Wir müssen nicht nervös werden, wenn wir eine kurze Zwangspause einlegen müssen.

Grundsätzlich gilt: Das Training wird erst wieder aufgenommen, wenn die Symptome abgeklungen sind. Nase läuft nicht mehr, Temperatur ist normal, die Atmung passt. Und dann nicht dort weiter, wo du aufgehört hast, sondern über eine Rampe:

Nach dem letzten SymptomWas du machst
Tag 1 bis 2Spazierengehen, sonst nichts. Ruhepuls morgens messen – er sollte wieder auf deinem Normalwert liegen.
Tag 3 bis 430 Minuten locker, Puls in Zone 1 bis 2. Wenn du dich danach schlechter fühlst als vorher, eine Stufe zurück.
Tag 5 bis 7Erste Krafteinheit mit rund 60 Prozent des gewohnten Gewichts, kein Satz bis zum Muskelversagen.
ab Tag 8Normales Training, Intensität über eine Woche wieder hochziehen. Bei fieberhaftem Infekt eher zwei Wochen einplanen.

Diese Rampe klingt vorsichtig und ist es auch. Sie kostet dich eine Woche. Ein zu früher Wiedereinstieg kostet im ungünstigen Fall die Saison.

Wer den Verlauf mitschreibt – Ruhepuls, wie es sich angefühlt hat, welches Gewicht – erkennt beim nächsten Infekt viel früher, wo er steht. Aus dem Kopf heraus überschätzt jeder, wie fit er sich in Woche eins gefühlt hat.

Du bist übrigens nicht nur eine Gefahr für dich selbst. Wenn du in einem Fitnessstudio trainierst, bleib zuhause. Du bist eine wandelnde Seuche und gefährdest alle, die dort Gas geben. Falls dir zuhause die Möglichkeiten fehlen: In Ausdauertraining ohne Fitnessstudio stehen neun Varianten, von denen die meisten in die Wohnung passen.

Das meint der Fitness Guru

Der Wiedereinstieg ist bei mir der Punkt, an dem es zweimal schiefgegangen ist – nicht der Infekt selbst. Man fühlt sich nach ein paar symptomfreien Tagen gut, geht in die alte Einheit und liegt danach wieder daneben. Was mir geholfen hat, ist der Blick auf den Ruhepuls am Morgen: Solange er über meinem Normalwert liegt, ist der Körper noch beschäftigt, egal wie fit ich mich fühle. Das ist unbestechlicher als jedes Bauchgefühl.

Der Fitness Guru beim Laufen

Was bei Corona und anderen schwereren Verläufen gilt

Als dieser Artikel 2017 erschien, gab es diesen Abschnitt nicht. Inzwischen hat eine Generation von Sportlern die Erfahrung gemacht, dass ein Infekt auch Wochen später noch die Leistung drückt, und die Empfehlungen dazu sind deutlich vorsichtiger geworden als früher.

Der Grundsatz bleibt derselbe wie bei jedem viralen Infekt: symptomfrei, dann Rampe. Drei Dinge kommen bei schwereren Verläufen dazu.

Erstens ein längerer Vorlauf. Nach einem Infekt mit Fieber, ausgeprägter Schlappheit oder Beteiligung der unteren Atemwege sind sieben Tage komplette Symptomfreiheit vor der ersten Einheit die gängige Empfehlung, nicht 24 Stunden. Danach beginnt die Rampe aus dem vorigen Kapitel, und sie dauert eher zwei Wochen als eine.

Zweitens die Belastungsgrenze in der ersten Woche. Der Wiedereinstieg findet ausschließlich im lockeren Bereich statt, in dem du dich unterhalten kannst. Keine Intervalle, keine Sätze bis zum Muskelversagen, kein Wettkampf. Genau in dieser Phase entstehen die Fälle, in denen aus einem harmlosen Verlauf ein Herzproblem wird.

Drittens eine niedrigere Schwelle zum Abbrechen. Wenn während oder nach einer Einheit Brustschmerz, Luftnot, Herzstolpern oder eine Leistungsschwäche auftreten, die nicht zu deinem Trainingszustand passt, ist das kein Zeichen von Untrainiertheit, das man wegtrainiert. Das ist der Moment für einen Arzttermin.

Die Faustregel für den Wiedereinstieg

Fühlst du dich nach einer Einheit schlechter als vorher, war sie zu früh oder zu hart. Das ist der einfachste und zuverlässigste Test, den es nach einem Infekt gibt – und der einzige, der ohne Gerät funktioniert. Wer ihn zweimal hintereinander nicht besteht, geht zum Arzt, statt es ein drittes Mal zu versuchen.

Training im Winter, wenn du gesund bist

Die zweite Hälfte des Themas wird meistens vergessen: Was ist eigentlich mit dem Training bei Kälte, wenn man nicht krank ist?

Kalte Luft schadet der Lunge nicht. Das ist der hartnäckigste Wintermythos. Die Atemluft wird auf dem Weg durch Nase und Rachen erwärmt und befeuchtet, bevor sie in den unteren Atemwegen ankommt. Bei Frost durch die Nase zu atmen macht das noch effektiver – deshalb ist es sinnvoll, im Winter langsamer zu laufen, weil man nur dann durch die Nase atmen kann.

Zwei Gruppen sollten trotzdem vorsichtig sein. Wer Asthma hat oder zu belastungsinduzierter Atemwegsverengung neigt, reagiert auf kalte, trockene Luft empfindlich – hier hilft ein Tuch vor Mund und Nase erheblich. Und wer gerade einen Infekt hinter sich hat, dessen Schleimhäute sind noch gereizt und reagieren stärker als sonst.

Das Schichtenprinzip. Die Faustregel unter Läufern lautet: Beim Losgehen soll dir leicht kalt sein. Wer beim Start angenehm warm angezogen ist, schwitzt nach zehn Minuten durch und friert auf dem Rückweg. Entscheidend ist die Schicht direkt auf der Haut – Baumwolle saugt sich voll und hält die Nässe, ein Funktionsmaterial gibt sie ab.

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Bei Temperaturen unter fünf Grad kommen Hände, Ohren und der untere Rücken dazu. Der Rest reguliert sich über die Bewegung von selbst. Und in der Dunkelheit ist nicht die Kälte die Gefahr, sondern übersehen zu werden: Reflektierende Elemente an Armen und Beinen wirken deutlich besser als eine helle Jacke, weil bewegte Reflexion vom Auge zuverlässiger erfasst wird.

Vitamin D: der einzige Nährstoff mit echtem Winterproblem

Von Oktober bis März steht die Sonne in Deutschland zu tief, als dass die Haut nennenswert Vitamin D bilden könnte. Der Winter ist damit der einzige Zeitraum, in dem ein verbreiteter Mangel real ist und nicht herbeigeredet wird.

Interessant ist der Zusammenhang mit dem Thema dieses Artikels: Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel geht in Untersuchungen mit häufigeren Atemwegsinfekten einher. Die Effekte einer Ergänzung sind allerdings dort am größten, wo tatsächlich ein Mangel vorlag – bei gut versorgten Menschen passiert wenig bis nichts.

Daraus folgt die einzig sinnvolle Reihenfolge: erst messen, dann dosieren. Ein Test kostet ungefähr so viel wie ein halbes Jahr Präparat und beantwortet die Frage, ob du überhaupt zur betroffenen Gruppe gehörst.

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Liegt ein Mangel vor, ist die Ergänzung unkompliziert und günstig. Wichtig ist nur, dass es bei der gemessenen Größenordnung bleibt und nicht bei den Hochdosen aus dem Internet – mehr dazu im Vitamin-D-Ratgeber:

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Der zweite Winterfaktor ist das Licht selbst. Weniger Tageslicht drückt bei vielen die Stimmung und den Antrieb, und Antrieb ist im Februar die knappste Ressource im ganzen Trainingsjahr. Eine Tageslichtlampe am Frühstückstisch ist kein Wundermittel, aber sie ist die Maßnahme mit dem besten Verhältnis aus Aufwand und Wirkung für alle, die morgens im Dunkeln aus dem Haus gehen und im Dunkeln zurückkommen:

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Was tatsächlich vorbeugt

Zum Abschluss die Maßnahmen, die im Winter wirklich etwas ändern – sortiert nach Wirkung, nicht nach Popularität.

1. Schlaf. Der mit Abstand größte Hebel. Wer regelmäßig unter sechs Stunden schläft, erkrankt in Untersuchungen deutlich häufiger an Atemwegsinfekten. Kein Präparat kommt an diesen Effekt heran.

2. Hände waschen. Unspektakulär und wirksam. Die meisten Erkältungsviren wandern über die Hände ins Gesicht, nicht durch die Luft. Im Studio gilt das doppelt: Griffe, Hanteln und Geräte sind die Übertragungswege, nicht der Typ, der drei Bänke weiter niest.

3. Regelmäßiges moderates Training. Der Bauch der J-Kurve. Drei Einheiten pro Woche senken das Infektrisiko gegenüber Nichtstun messbar.

4. Vitamin D bei nachgewiesenem Mangel. Wirkt dort, wo etwas fehlt. Sonst nicht.

5. Genug essen. Wer im Winter eine harte Diät fährt und gleichzeitig das Trainingsvolumen hält, kombiniert zwei Belastungen. Das ist der Zeitraum, in dem die meisten Infekte einschlagen.

Was in dieser Liste bewusst fehlt: hochdosiertes Vitamin C, Zink-Lutschtabletten und die diversen Immun-Komplexe aus der Drogerie. Die Datenlage dazu reicht von schwach bis widersprüchlich, und in keinem Fall kommt sie an Punkt eins heran. Was sonst noch aus dem Regal wirklich etwas bringt, steht in Welche Supplemente braucht man wirklich?.

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Sport und Infekt: was stimmt?

Fünf Fragen, alle Antworten stehen im Artikel.

Häufige Fragen zu Sport bei Erkältung

Darf man mit Erkältung Sport machen?

Bei leichtem Schnupfen ohne Fieber, ohne Husten aus der Brust und ohne Gliederschmerzen ist lockere Bewegung vertretbar – kurz, ruhig und am besten draußen. Sobald Fieber, Brustschmerz, Gliederschmerzen oder ein erhöhter Ruhepuls dazukommen, ist Pause Pflicht.

Was ist der Neck-Check?

Eine Faustregel: Symptome oberhalb des Halses wie Schnupfen oder leichter Kopfschmerz erlauben lockere Bewegung, Symptome unterhalb wie Husten, Gliederschmerzen oder Fieber bedeuten Pause. Sie ist praktisch, greift aber zu kurz – sie berücksichtigt weder den Verlauf noch den Ruhepuls noch die Frage, ob Medikamente im Spiel sind.

Ab welcher Temperatur ist Sport tabu?

Sicherheitshalber schon ab erhöhter Temperatur von 37,5 Grad, nicht erst ab Fieber mit 38 Grad. Belastung kann dazu beitragen, dass sich Viren im Körper ausbreiten – im schlimmsten Fall bis zu einer Herzmuskelentzündung.

Was ist eine Myokarditis und wie erkenne ich sie?

Eine Herzmuskelentzündung, meist als Folge eines viralen Infekts, bei dem zu früh belastet wurde. Warnzeichen sind Brustschmerz oder Engegefühl, Luftnot, Herzstolpern und eine Leistungsschwäche, die nicht zum Trainingszustand passt. Das gehört umgehend ärztlich abgeklärt.

Wie lange nach einer Erkältung warten, bis ich wieder trainiere?

Erst wenn die Symptome vollständig abgeklungen sind, und dann über eine Rampe: ein bis zwei Tage nur Spazierengehen, danach lockere Einheiten, ab Tag fünf die erste Krafteinheit mit rund 60 Prozent. Nach einem fieberhaften Infekt eher zwei Wochen bis zum Normalbetrieb einplanen.

Darf ich mit Schmerzmitteln trainieren?

Nein. Ibuprofen und Paracetamol senken die Temperatur und dämpfen das Krankheitsgefühl – also genau die beiden Größen, an denen du ablesen würdest, wie es dir wirklich geht. Wer unter Medikamenten trainiert, hat sein Warnsystem abgeschaltet.

Stimmt der Open-Window-Effekt noch?

Er wird seit 2018 ernsthaft bestritten. Campbell und Turner argumentieren, dass die Immunzellen nach dem Sport nicht ausfallen, sondern in Gewebe und Schleimhäute umverteilt werden. An der praktischen Empfehlung ändert das wenig: Ein laufender Infekt und harte Belastung passen weiterhin nicht zusammen – wegen des Herzens, nicht wegen des Immunsystems.

Schadet kalte Luft beim Laufen der Lunge?

Nein. Die Atemluft wird auf dem Weg durch Nase und Rachen erwärmt und befeuchtet. Vorsichtig sein sollten Menschen mit Asthma oder belastungsinduzierter Atemwegsverengung – hier hilft ein Tuch vor Mund und Nase. Langsamer laufen hilft auch, weil man dann durch die Nase atmen kann.

Verliere ich durch eine Trainingspause meine Fortschritte?

Wer über Monate regelmäßig trainiert hat, verliert in zwei Wochen weder Muskeln noch Kraft in nennenswertem Umfang. Nach ein paar Einheiten ist man wieder auf dem alten Stand. Nach einer intensiven Trainingsphase kann eine Pause sogar wie ein Katalysator wirken.

Was hilft im Winter wirklich gegen Infekte?

In dieser Reihenfolge: ausreichend Schlaf, Händewaschen, regelmäßiges moderates Training, Vitamin D bei nachgewiesenem Mangel und genug essen. Hochdosiertes Vitamin C und Zink-Präparate kommen an keinen dieser Punkte heran.

Fazit

Infekte sind ernst zu nehmen. Symptome dürfen keinesfalls mit Medikamenten unterdrückt werden, um einen Trainingsausfall zu verhindern. Sobald Fieber im Spiel ist, ist die Zwangspause ein Muss, und mit dem Training darf erst wieder begonnen werden, wenn alle Symptome abgeklungen sind. Bei leichtem Schnupfen ist moderate Belastung an der frischen Luft möglich. Höre auf deinen Körper. In einem Studio hat man mit einem Infekt nichts verloren, man gefährdet andere.

Was sich seit der ersten Fassung dieses Artikels geändert hat, ist die Begründung, nicht die Empfehlung. Das Open Window ist heute umstritten, das Argument fürs Pausieren liegt beim Herzen und nicht beim Immunsystem. Und die J-Kurve sagt etwas Beruhigendes: Der Bereich, in dem die allermeisten trainieren, ist der mit dem niedrigsten Infektrisiko.

Drei Sätze, die ich dir mitgeben würde:

37,5 Grad ist die Grenze, nicht 38. Ein Thermometer nimmt dir die Entscheidung ab, für die du sonst in dich hineinhorchst.

Wer Medikamente nimmt, kann nicht entscheiden. Sie löschen genau die Signale, auf die es ankommt.

Der Ruhepuls verrät es dir vor deinem Kopf. Zehn Schläge über normal sind ein Zeichen, auch wenn nichts weh tut.

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Hinweis: Alle Inhalte sind sorgfältig recherchiert und aufbereitet und für gesunde Erwachsene ab 18 Jahren geeignet. Die Konsultation eines Arztes sollte mindestens dann erfolgen,  wenn bereits Vorerkrankungen vorliegen. Medizinischen oder rechtlichen Rat kann ausschließlich ein Mediziner bzw. ein Anwalt geben und kein Artikel von der Fitness Guru.

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