5 Regeln für den perfekten Lauf (mit Pacing-Rechner)

🔄 Zuletzt umfassend überprüft und aktualisiert: 14. September 2026
Läuferinnen und Läufer im Startblock eines Volkslaufs kurz vor dem Startschuss
Im Startblock stehen normale Leute in normaler Form. Die Angst davor ist deutlich größer als der Startblock selbst

Über welchen Lauf reden wir hier? Um das Trainingsläufchen am Sonntagvormittag geht es nicht. Es geht um den Lauf, der dich langfristig beim Training motiviert hält – und eine der besten Methoden, den inneren Schweinehund von der Couch zu bekommen, ist die verbindliche Anmeldung zu einem Volkslauf.

Ausdauer verbessern und gesünder werden klingt vernünftig, bändigt den Schweinehund aber kaum. Ein Datum im Kalender, für das du Startgeld bezahlt hast, schon.

Dieser Artikel gibt dir fünf Regeln für den Weg dorthin und für den Tag selbst, einen Rechner für deine Zwischenzeiten und die eine Grafik, die erklärt, warum so viele Läufe auf den letzten Kilometern auseinanderfallen.

Regel 1: Trainiere klug

Dein Lauf beginnt weit vor dem Termin. Er beginnt in dem Moment, in dem du dich anmeldest. Der wichtigste Schritt ist damit getan, jetzt geht es um die Gestaltung des Trainings.

Ordne dich mit deiner Leistung korrekt ein und zieh den Plan durch. Konsequenz und Regelmäßigkeit sind die Schlüsselbegriffe. Trainingstermine gehören geblockt, alles andere plant sich darum herum. Weih dein Umfeld ein und mach klar, dass es dir ernst ist.

Wie du deine Tempobereiche festlegst, steht in So findest du dein Lauftempo. Wenn du gleichzeitig schneller werden willst, findest du in Wie werde ich schneller? einen fertigen Acht-Wochen-Plan zum Ausdrucken.

Wie eine Trainingswoche aussieht

Drei Läufe pro Woche sind das Minimum, mit dem du auf zehn Kilometer wirklich vorankommst, und für die meisten Berufstätigen gleichzeitig das Maximum, das sich halten lässt. Die Verteilung ist dabei wichtiger als der Umfang:

Ein langer Lauf, ruhig und ohne Tempovorgabe, der von Woche zu Woche etwas länger wird. Ein Lauf mit Tempoanteil, also Intervalle oder ein längerer Abschnitt im Zieltempo. Und ein kurzer, lockerer Lauf, der nur dazu da ist, die Beine in Bewegung zu halten.

Der häufigste Fehler ist, aus dem lockeren Lauf einen zweiten harten zu machen. Bei drei Einheiten pro Woche verträgt der Körper genau eine harte. Wer zwei einbaut, fühlt sich drei Wochen stark und danach sechs Wochen müde.

Zwischen zwei Läufen liegt mindestens ein Tag Pause, und der Tag vor dem langen Lauf ist immer frei. Diese Regel kostet nichts und verhindert die meisten Verletzungen, die Einsteiger in Woche fünf bis sieben aus dem Plan werfen.

Musst du das Training aus gesundheitlichen oder anderen Gründen länger unterbrechen, also drei Wochen und mehr, gibt es zwei Wege:

WegWas du machstWas es kostet
Der vernünftigeIm Plan entsprechend zurückgehen und eine langsamere Zielzeit ansetzenein paar Minuten auf der Uhr
Der HolzhammerDort einsteigen, wo du aufgehört hastes schmerzt gehörig, und du riskierst eine Verletzung

Die Flinte ins Korn zu werfen ist keine Option. Aber eine langsamere Zielzeit anzusetzen ist keine Niederlage. Es ist der Grund, warum du überhaupt ins Ziel kommst.

Sorg im Training für Abwechslung. Priorität hat der Laufplan, aber nichts spricht dagegen, die Kondition anderweitig voranzubringen. Krafttraining gehört ausdrücklich dazu. Blagrove und Kollegen fassten 2018 die Untersuchungen dazu zusammen und fanden eine um drei bis acht Prozent bessere Laufökonomie – du brauchst für dasselbe Tempo also weniger Sauerstoff. Das ist mehr, als die meisten Einsteiger in denselben zwei Trainingsstunden pro Woche durch zusätzliche Laufkilometer herausholen. Stabilisierung und Kräftigung der Laufmuskulatur sind das Ziel, nicht Muskelberge.

Regel 2: Du schaffst das

Wir wollen uns keinen Frust einhandeln. Mir ist klar, dass man Vorbehalte hat und sich nicht beim 10-km-Lauf des Ortsvereins sieht. Man ist kein Mitglied, Läufe sind doch für Profis, und Letzter werden will man auch nicht.

Quatsch. Du wirst staunen, wie gut die Atmosphäre bei einem solchen Lauf ist, wie motivierend er für die nächste Trainingsetappe wirkt und wie gleichgültig es am Ende ist, als Wievielter du einläufst. Du läufst, und andere sehen zu oder hängen zuhause ab.

Es gibt allerdings Läufe, die eher etwas für leistungsorientierte Läufer sind. Das findest du in zwei Minuten selbst heraus:

Der Ergebnislisten-Test

Geh auf die Seite des Veranstalters und such die Ergebnisliste vom Vorjahr. Schau dir die Zeit des Letzten in deiner Altersklasse an. Liegt deine Trainingszeit weit über dieser Zeit, bist du also deutlich langsamer, ist der Lauf nichts für dich. Liegst du in der Nähe oder darunter, bist du dort gut aufgehoben. Ein zweiter Hinweis steckt im Namen: Familienlauf, Schnupperlauf und Volkslauf sind Einladungen an alle.

Termine findest du in den großen Laufkalendern, etwa bei Runner’s World oder im Laufkalender von HDsports, der nach Bundesländern sortiert ist und auch kleine Veranstaltungen listet.

Eine Uhr, die dein Tempo pro Kilometer anzeigt, ist beim Training wie beim Wettkampf das nützlichste Stück Technik, das du haben kannst – nicht wegen der Statistik hinterher, sondern weil sie dich in den ersten zwei Kilometern bremst.

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Das meint der Fitness Guru

Mein erster Volkslauf war ein Zehner beim Sportverein im Nachbarort, und ich habe mich vorher ernsthaft gefragt, ob ich mich da als Letzter blamiere. Dann standen am Start Leute in Baumwollshirts, ein Vater mit Kinderwagen und ein Mann, der mich locker überholte und mindestens zwanzig Jahre älter war als ich. Ich kam nicht als Letzter an, aber das war nach zwei Kilometern völlig egal. Was ich mitgenommen habe: Die Angst vor dem Startblock ist deutlich größer als der Startblock.

Der Fitness Guru läuft

Regel 3: Vorbereitung ist alles

Am Wettkampftag willst du an nichts denken müssen. Alles, was du vorher entscheiden kannst, entscheidest du vorher.

Die Woche davor

Reduziere den Umfang deutlich, ungefähr auf die Hälfte, und halte die Intensität. Kurze Tempoabschnitte im Zieltempo ja, harte Intervalle nein. Diese Phase heißt Tapering, und sie kostet dich nichts: Die Form bleibt, die Müdigkeit verschwindet.

Spätestens zwei Tage vor dem Lauf ist Schluss mit Experimenten – bei Schuhen und Shirt sogar schon Wochen vorher. Kein neues Essen, kein neues Getränk, keine neuen Schuhe, kein neues Shirt. Was du am Wettkampftag trägst, hast du mindestens einmal auf einem langen Lauf getragen.

Über Schuhe: Neue Laufschuhe brauchen fünfzig bis hundert Kilometer, bis du weißt, ob sie an der Ferse reiben. Diese Kilometer legst du vorher zurück, nicht im Wettkampf. Und falls du überlegst, mit dem alten Paar zu starten: Wann ein Laufschuh ausgedient hat, steht in Wie alt darf ein Laufschuh sein?

Die Checkliste für den Beutel

KategorieWas hinein gehört
Am KörperEingelaufene Schuhe, Socken ohne Naht an der Zehe, Shirt und Hose vom letzten langen Lauf, Uhr geladen
Für davorAltes Shirt zum Warmmachen, Jacke, Sicherheitsnadeln (nicht jeder Veranstalter legt sie bei), Startnummer schon zuhause befestigt
Gegen ReibungVaseline oder Anti-Chafing-Stift für Innenschenkel, Achseln und Brustwarzen; Pflaster
Für danachTrockene Wechselsachen komplett, Handtuch, Schlappen, etwas zu essen, Getränk
PapierkramStartunterlagen oder Bestätigungsmail, Ausweis, Kleingeld für die Garderobe

Den Beutel packst du am Abend vorher, nicht am Morgen. Am Morgen bist du nervös und vergisst die Socken.

Bei Socken lohnt sich Genauigkeit: Baumwolle saugt sich voll und scheuert, Funktionsgarn mit flacher Zehennaht macht das nicht. Es ist das billigste Ausrüstungsteil, das einen Lauf retten oder ruinieren kann.

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Der Morgen

Frühstück zwei bis drei Stunden vor dem Start, leicht verdaulich und so, wie du es aus dem Training kennst. Mein eigenes: ein Brot mit Marmelade, eine Banane, Kaffee. Nichts Neues, nichts Fettes, nichts Ballaststoffreiches.

Sei früh am Ort. Einparken, Startnummernausgabe, Garderobe und Toilette brauchen zusammen länger, als du denkst, und die Schlange vor den Toiletten ist kurz vor dem Start am längsten – geh also vorher, nicht erst beim Warmmachen. Rechne mit mindestens einer Stunde Puffer.

Zwanzig Minuten vor dem Start: zehn Minuten locker traben, ein paar Lauf-ABC-Übungen, zwei oder drei Steigerungen über sechzig Meter. Statisches Dehnen gehört nicht dazu – langes Halten vor einer Belastung senkt kurzfristig die Kraftentwicklung. Dehnen kannst du abends.

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Aus meiner Praxis

Ich habe einmal eine Startnummer erst am Wettkampfmorgen befestigt, auf dem Parkplatz neben dem Auto, weil ich die Nadeln vergessen hatte – mit Klebeband aus dem Kofferraum. Nach vier Kilometern flatterte sie an einer Ecke, nach sechs war sie weg, und im Ziel hatte ich keine Zeitmessung. Seitdem sitzt die Nummer am Abend vorher am Shirt, und im Beutel liegen vier Nadeln mehr als nötig.

Deine Zwischenzeiten im Voraus

Das Wichtigste, was du am Wettkampftag brauchst, ist eine Zahl im Kopf: das Tempo, das du auf den ersten Kilometern nicht unterschreiten darfst. Der Rechner gibt dir diese Zahl und die komplette Tabelle dazu.

Schreib dir die Zwischenzeiten auf den Handrücken oder auf ein Stück Tape am Handgelenk. Klingt altmodisch, nimmt der Uhr aber die letzte Aufgabe ab: Du musst im Rennen nicht mehr rechnen, sondern nur vergleichen.

Rechner
Deine Zwischenzeiten für den Wettkampf

Sag mir Strecke und Zielzeit, dann bekommst du die Kilometerzeiten, mit denen die Rechnung am Ende aufgeht – inklusive des Tempos, das du auf den ersten Kilometern nicht unterschreiten darfst.

Wenn du keine Zielzeit hast, weil es dein erster Lauf ist, nimm die Distanz mal dein lockeres Trainingstempo und zieh zehn Prozent ab. Mehr Genauigkeit brauchst du beim ersten Mal nicht.

Läufer blickt während eines Wettkampfs auf seine Sportuhr, andere Läufer ziehen vorbei
Der teuerste Moment des Rennens liegt auf Kilometer eins: sich überholen lassen, weil die Uhr es sagt

Regel 4: Lauf dein eigenes Rennen

Das ist die Regel, an der die meisten Läufe scheitern - und sie hat nichts mit Kondition zu tun, sondern mit Kopf.

Im Startblock stehen Hunderte Leute. Der Startschuss fällt, alle rennen los, und du rennst mit. Die ersten Kilometer fühlen sich an, als könntest du das ewig halten. Kannst du nicht. Was du spürst, ist Adrenalin plus frische Beine plus ein Feld, das dich zieht.

Die Rechnung kommt später, und sie kommt zuverlässig. In den Auswertungen großer Stadtmarathons laufen Spitzenläufer die zweite Hälfte etwa gleich schnell wie die erste oder sogar schneller. Das Feld dahinter braucht für die zweite Hälfte typischerweise fünf bis zwölf Prozent länger - und das sind keine Leute mit schlechter Ausdauer, sondern Leute, die zu schnell angefangen haben.

Interaktive Grafik
Zehn Kilometer, zwei Strategien

Beide Läufer wollen 55 Minuten. Einer hält sich an den Plan, der andere geht 18 Sekunden pro Kilometer schneller an als seinen Zielschnitt. Schalte um und sieh dir an, wo der Unterschied entsteht.

Der Weg heraus ist unspektakulär und tut in den ersten Minuten weh: Lass sie laufen. Du wirst auf dem ersten Kilometer überholt, und das ist die richtige Reihenfolge. Ab Kilometer acht holst du sie wieder ein, und zwar ohne Kampf.

Vier Werkzeuge gegen den Schnellstart

1. Stell dich richtig auf. Nicht vorn. Wenn Blöcke nach Zielzeit ausgeschildert sind, geh in deinen Block, auch wenn er weit hinten ist. Zwanzig Sekunden Zeitverlust auf der Bruttozeit sind billiger als zwei Minuten Einbruch.

2. Schau in den ersten Kilometern auf die Uhr, nicht auf die Leute. Nach zweihundert Metern das erste Mal, dann bei jedem Kilometerschild. Wenn die Uhr zu schnell sagt, nimm Tempo heraus - auch wenn es sich leicht anfühlt. Besonders dann.

3. Nutze Pacemaker, aber nur den passenden. Viele Läufe schicken Tempomacher mit Luftballons ins Feld. Der Ballon mit deiner Zielzeit ist ein guter Anker - allerdings erst ab Kilometer drei. Am Anfang läuft er von der ersten Sekunde den Zielschnitt, du dagegen bewusst langsamer. Also ziehen lassen und später einholen. Der Ballon eine Nummer schneller ist von Anfang bis Ende eine Falle.

4. Kopple dein Gefühl an die Atmung. Auf den ersten Kilometern eines Zehners solltest du noch in kurzen Sätzen sprechen können. Geht das nicht, bist du zu schnell. Das funktioniert auch ohne Uhr.

Ein Brustgurt hilft hier mehr als jede Optik am Handgelenk: Am Oberarm oder Handgelenk gemessene Werte laufen bei schnellen Tempowechseln hinterher, der Gurt misst sofort. Wenn du dein Rennen nach Puls steuern willst, ist das die Anschaffung, die etwas ändert.

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Das meint der Fitness Guru

Ich habe diesen Fehler gemacht, und zwar nicht ein Mal. Zehn Kilometer, 52 Minuten im Plan, und nach dem Startschuss stand auf der Uhr 4:40 statt 5:15. Es fühlte sich leicht an, also ließ ich es laufen. Ab Kilometer sechs wurde jeder Schritt zur Verhandlung, und ich kam in 55 Minuten an - drei Minuten über Plan und ungefähr so überzeugt davon, dass Laufen Spaß macht, wie ein Steuerprüfer davon, dass Formulare Freude machen. Beim nächsten Lauf habe ich mich bewusst überholen lassen und bin 52:30 gelaufen. Derselbe Körper, dieselbe Form, nur ein anderer erster Kilometer.

Was die Studienlage dazu sagt: Spitzenläufer absolvieren die zweite Hälfte eines Marathons etwa gleich schnell oder schneller als die erste, das Feld dahinter braucht in Auswertungen großer Stadtmarathons typischerweise fünf bis zwölf Prozent länger. Der Unterschied entsteht überwiegend im ersten Streckenviertel.
Der Fitness Guru jubelt

Wenn im Rennen etwas schiefgeht

Es geht selten alles glatt, aber fast keines der üblichen Probleme muss den Lauf beenden. Für drei Störfälle entscheidest du am besten vorher, was du tust.

Der häufigste ist Seitenstechen. Nimm das Tempo deutlich heraus, atme tief in den Bauch und atme bewusst länger aus, als du einatmest. Nach dreißig bis sechzig Sekunden ist es meist weg. Was es nicht besser macht, ist schneller zu werden und zu hoffen, dass es sich verzieht.

Bei einem Krampf in der Wade bleibst du stehen, ziehst die Fußspitze zu dir, hältst zwanzig Sekunden und läufst dann langsam weiter. Kommt der Krampf zurück, ist der Lauf für heute beendet. Das ist unangenehm, aber deutlich billiger als ein Muskelfaserriss.

Der dritte Störfall ist der Kopf. Irgendwo zwischen siebzig und achtzig Prozent der Strecke kommt bei fast jedem der Moment, in dem das Aufhören plötzlich vernünftig klingt. Er kommt zuverlässig, er hält ein paar Minuten, und er geht vorbei. Rechne vorher damit, dann wirft er dich nicht aus der Bahn.

Was dagegen wirklich ein Abbruchgrund ist: Druck oder Schmerz in der Brust, Schwindel, ein stechender Schmerz in einem Gelenk oder einer Sehne. Dort wird nicht verhandelt.

Verpflegung unterwegs

Hier wird viel falsch gemacht, in beide Richtungen. Die Faustregel ist einfacher, als die Regale im Sportgeschäft vermuten lassen:

DistanzTrinkenKohlenhydrate
5 und 10 kmnach Durst, oft gar nichtskeine
Halbmarathonnach Durst, etwa alle 5 km ein paar Schluckoptional, ab etwa 90 Minuten sinnvoll
Marathonnach Durst, regelmäßig kleine Mengen30 bis 60 g pro Stunde, ab km 8 bis 10 beginnen - früh anfangen, weil der Magen nur begrenzt aufnimmt, nicht weil die Speicher schon leer wären

Nach Durst trinken ist die wichtigste Korrektur gegenüber dem, was lange erzählt wurde. Darauf läuft auch die dritte internationale Konsensuskonferenz zur belastungsbedingten Hyponatriämie von 2015 hinaus: nach Durst trinken statt nach Plan. Wer auf Vorrat trinkt, riskiert eine gefährliche Verdünnung des Blutnatriums. Die Fälle, die es im Freizeitsport gegeben hat, betrafen fast ausschließlich Leute, die zu viel getrunken hatten.

Und alles, was du im Rennen zu dir nimmst, hast du im Training getestet. Ein Gel, das du zum ersten Mal bei Kilometer 25 probierst, ist eine Wette auf deinen Magen.

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Aus meiner Praxis

Beim ersten Halbmarathon habe ich an jeder Station brav einen ganzen Becher getrunken, weil ich gelesen hatte, man müsse auf Vorrat trinken. Ab Kilometer vierzehn schwappte das im Magen, ich hatte Seitenstechen und musste zweimal gehen. Beim nächsten Mal habe ich nur getrunken, wenn ich Durst hatte - insgesamt etwa die Hälfte - und kam schneller und ohne Magenprobleme an.

Was die Studienlage dazu sagt: Die Empfehlung, nach Durst zu trinken, hat sich in den Leitlinien zur Belastungshyponatriämie durchgesetzt. Die dokumentierten Fälle im Freizeitsport betrafen fast durchgängig Sportler, die mehr getrunken hatten, als sie ausschieden.

Regel 5: Der Lauf endet nicht im Ziel

Du bist durch. Medaille um den Hals, Beine schwer, Kopf leicht. Was jetzt passiert, entscheidet darüber, ob dieser Lauf der erste von vielen war oder das Ende deiner Laufkarriere.

Die ersten zwei Stunden

Bleib in Bewegung. Nicht hinsetzen, nicht hinlegen - zehn bis fünfzehn Minuten langsam gehen oder gaaanz locker traben. Dann die trockenen Sachen an, bevor du auskühlst. Nass und windig ist die Kombination, mit der man sich nach einem Wettkampf etwas einfängt.

Trinken nach Durst, essen, sobald der Magen mitmacht. Eine Mischung aus Kohlenhydraten und Eiweiß ist günstig, aber kein Notfall - wichtiger ist, dass du im Laufe des Tages überhaupt genug isst.

Die Tage danach

DistanzKein LaufenWieder voll belastbar
10 km1 bis 2 Tagenach etwa 1 Woche
Halbmarathon2 bis 3 Tagenach etwa 2 Wochen
Marathonbis zu 1 Wochenach 3 bis 4 Wochen

Lockeres Radfahren, Schwimmen oder Spazieren ist in dieser Zeit besser als Nichtstun. Was nicht hineingehört, sind Intervalle und lange Läufe, auch wenn sich die Beine am dritten Tag wieder gut anfühlen. Sie fühlen sich besser an, als sie sind.

Faszienrolle und lockere Massage beschleunigen die Heilung nach allem, was man weiß, nicht messbar - aber sie fühlen sich gut an und lassen die Beine beweglicher werden. Für die Tage nach einem Wettkampf ist das genug Grund.

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Der Tag, an dem es kippt

Und dann kommt der eigentlich gefährliche Moment: Das Ziel ist erreicht, das T-Shirt hängt im Schrank, und im Kalender steht nichts mehr. Genau hier hören die meisten auf. Nicht aus Erschöpfung, sondern aus Ziellosigkeit.

Deshalb die Regel, die am häufigsten vergessen wird: Melde dich für den nächsten Lauf an, bevor die Beine vom letzten wieder frisch sind. Nicht am Abend des Wettkampfs, wenn der Rausch noch wirkt, sondern in der Woche danach. Ein Datum im Kalender schlägt jeden guten Vorsatz - wie das funktioniert und warum, steht ausführlich in Ziele setzen und erfolgreich umsetzen.

Und schreib auf, was gelaufen ist. Nicht nur die Zeit: wie es sich angefühlt hat, was du gegessen hast, wo du zu schnell warst. Beim nächsten Lauf ist das mehr wert als jeder fremde Trainingsplan, weil es dein Lauf war und nicht der eines Lehrbuchs.

Die fünf Regeln auf einen Blick

RegelDie eine Sache, die zählt
1. Trainiere klugEine langsamere Zielzeit ansetzen, statt den verpassten Plan nachzuholen
2. Du schaffst dasErgebnisliste vom Vorjahr anschauen, dann anmelden
3. Vorbereitung ist allesNichts am Wettkampftag zum ersten Mal - kein Schuh, kein Gel, kein Shirt
4. Lauf dein eigenes RennenDer erste Kilometer langsamer als der Schnitt, ohne Ausnahme
5. Der Lauf endet nicht im ZielNächsten Termin buchen, bevor die Beine wieder frisch sind
Quiz
Bist du bereit für den Startblock?

Fünf Fragen, alle Antworten stehen im Artikel.

Häufige Fragen zum Wettkampf

Wie lange muss ich für einen 10-km-Lauf trainieren?

Wenn du bei null anfängst, rechne mit zehn bis zwölf Wochen bei drei Einheiten pro Woche. Wenn du schon regelmäßig dreißig bis vierzig Minuten durchlaufen kannst, reichen sechs bis acht Wochen, um die Strecke sicher und in einer Zeit zu schaffen, die dir gefällt.

Wie schnell sollte ich die ersten Kilometer laufen?

Ein bis drei Prozent langsamer als dein Zielschnitt. Bei einer Zielzeit von 55 Minuten auf zehn Kilometer, also 5:30 pro Kilometer, bedeutet das etwa 5:38 auf den ersten beiden Kilometern. Das fühlt sich zu langsam an - und genau deshalb funktioniert es.

Ist es peinlich, bei einem Volkslauf Letzter zu werden?

Nein, und praktisch passiert es dir auch nicht. In den Ergebnislisten von Volksläufen findest du Zeiten, die viele Einsteiger überraschen, weil sie so viel langsamer sind als erwartet. Schau dir die Liste des Vorjahrs an, bevor du dir Sorgen machst.

Was esse ich am Morgen vor dem Wettkampf?

Das, was du aus dem Training kennst, zwei bis drei Stunden vorher, leicht verdaulich und ohne viel Fett oder Ballaststoffe. Ein Brot mit Marmelade und eine Banane sind ein bewährter Klassiker. Der Wettkampftag ist der schlechteste Tag für neue Ideen.

Soll ich mich vor dem Lauf dehnen?

Nicht statisch. Langes Halten einer Dehnposition senkt kurzfristig die Kraftentwicklung im Muskel. Trab stattdessen zehn Minuten locker, mach ein paar Lauf-ABC-Übungen und zwei bis drei Steigerungen. Dehnen kannst du am Abend.

Wie viel muss ich während des Laufs trinken?

Nach Durst. Bei fünf und zehn Kilometern brauchst du in der Regel gar nichts, beim Halbmarathon ein paar Schluck alle fünf Kilometer, beim Marathon regelmäßig kleine Mengen. Zu viel trinken ist im Freizeitsport das größere Risiko.

Brauche ich Gels bei einem Halbmarathon?

Nicht zwingend. Unter neunzig Minuten reichen deine Glykogenspeicher aus. Wenn du länger unterwegs bist oder dich in den letzten Kilometern erfahrungsgemäß leer fühlst, sind ein oder zwei Gels sinnvoll - getestet im Training, nicht zum ersten Mal im Rennen.

Wie lange soll ich nach einem Wettkampf pausieren?

Nach einem Zehner ein bis zwei Tage ohne Laufen, nach einem Halbmarathon zwei bis drei, nach einem Marathon bis zu einer Woche. Voll belastbar bist du nach etwa einer Woche, zwei Wochen beziehungsweise drei bis vier Wochen. Lockeres Radfahren oder Schwimmen ist in dieser Zeit besser als Nichtstun.

Wo finde ich Laufveranstaltungen in meiner Nähe?

In den großen Laufkalendern, etwa bei Runner's World oder im nach Bundesländern sortierten Kalender von HDsports. Dazu lohnt der Blick auf die Seiten der Sportvereine im Umkreis - kleine Volksläufe stehen oft nur dort.

Lohnt sich Krafttraining für Läufer?

Ja. Eine Übersichtsarbeit von Blagrove und Kollegen aus dem Jahr 2018 fand durch zusätzliches Krafttraining eine um etwa drei bis acht Prozent bessere Laufökonomie, du brauchst also für dasselbe Tempo weniger Sauerstoff. Es geht dabei um Rumpf, Hüfte und Wadenmuskulatur, nicht um Muskelmasse.

Fazit

Der perfekte Lauf ist nicht der schnellste. Er ist der, nach dem du dich für den nächsten anmeldest.

Von den fünf Regeln sind zwei für die Zeit auf der Uhr entscheidend und drei dafür, dass du überhaupt am Start stehst und danach weitermachst. Diese Gewichtung ist kein Zufall: An der Kondition scheitern die wenigsten. Es scheitert daran, dass man sich nicht anmeldet, dass man zu schnell losrennt und dass nach dem Ziel kein neues Datum im Kalender steht.

Drei Sätze, die ich dir mitgeben würde:

Meld dich an, bevor du bereit bist. Der Termin erzeugt das Training, nicht umgekehrt.

Der erste Kilometer gehört nicht dir. Er gehört dem Plan. Lass die anderen ziehen und hol sie ab Kilometer acht ein.

Buch den nächsten Lauf in der Woche danach. Nicht wenn die Beine frisch sind - dann ist der Moment schon vorbei.

Jetzt aber genug gelesen. Such dir einen Lauf, trag das Datum ein und geh los.

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Hinweis: Alle Inhalte sind sorgfältig recherchiert und aufbereitet und für gesunde Erwachsene ab 18 Jahren geeignet. Die Konsultation eines Arztes sollte mindestens dann erfolgen,  wenn bereits Vorerkrankungen vorliegen. Medizinischen oder rechtlichen Rat kann ausschließlich ein Mediziner bzw. ein Anwalt geben und kein Artikel von der Fitness Guru.

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