Hilft Sport beim Abnehmen? Das solltest Du wissen

🔄 Zuletzt umfassend überprüft und aktualisiert: 26. August 2026

Die Frage, ob Sport beim Abnehmen hilft, mutet wahrscheinlich eigenartig und konstruiert an. Natürlich hilft Sport, wenn man abnehmen möchte! Oder doch nicht?

Der Umstand, dass man selbstverständlich ganz ohne Sport gut abnehmen kann, ist bekannt. Zudem tauchen immer häufiger Schlagzeilen wie „Sport wirkt sich beim Abnehmen kaum aus!„ oder “Sport wird beim Abnehmen überschätzt!„ im Internet und in Magazinen auf.

Um zu sehen, wie sinnvoll Sport beim Abnehmen ist, sollten wir uns zunächst einmal ein paar Fakten ansehen.

Die kurze Antwort: Ja, aber anders, als die meisten denken. Abnehmen entsteht durch ein Kaloriendefizit, das du vor allem über die Ernährung steuerst. Sport allein verbrennt weniger, als viele glauben. Sein eigentlicher Wert liegt darin, im Defizit deine Muskeln zu schützen, den Stoffwechsel oben zu halten und dich gesünder zu machen. Warum das so ist, sehen wir uns jetzt Schritt für Schritt an.


Lieber hören als lesen?

Zum Thema Sport und Abnehmen gibt es eine eigene Podcastfolge. Kostenlos, und du bringst dich beim Autofahren, Laufen oder im Liegestuhl auf den Stand.

Der Kalorien-Ansatz

Dein Körper ist eine Maschine, die Treibstoff (Energie) benötigt. Die benötigte Energiemenge kann man in Kalorien angeben.

Eine Kilokalorie – also 1000 Kalorien –  ist definiert als die Energiemenge, die benötigt wird, um die Temperatur von 1 kg Wasser bei normalem Luftdruck von 14,5 °C auf 15,5 °C zu erhöhen.

Der Körper ist äußerst effizient bei der Energiegewinnung
Wusstest du, dass ein Liter Benzin etwa 8.400 Kilokalorien hat und dass du damit etwa 11 Stunden bei mittlerem Lauftempo gut 100 km weit kommst? Wahnsinn, oder? Der menschliche Körper ist sehr effizient!

Benzin kann man natürlich nicht trinken. Wir nehmen Energie in Form von Makronährstoffen auf. Dazu zählen Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß.

Kalorien Makronährstoffe

Wie viele Kalorien haben Eiweiß, Kohlenhydrate, Fett und Alkohol?

Was ist eigentlich der Grundumsatz?

Dein Körper benötigt zum Aufrechterhalten seiner Grundfunktionen natürlich auch Energie in Form von Kalorien. Dieser s.g. Grundumsatz wird auch als basale Stoffwechselrate oder Ruheumsatz bezeichnet.

Um es ganz genau zu machen:

Grundumsatz ist die Energiemenge, die du pro Tag deinem Körper bei einer Raumtemperatur von 28°C zuführen musst, falls du keinerlei Aktivitäten ausführst. Wenn du dich auch nur etwas bewegst, gibt es einen zusätzlichen Bedarf an Energie.

Was ist eigentlich der Leistungsumsatz?

Wir bewegen uns ja meist und verrichten bestimmte körperliche Aktivitäten. Die Energie, die wir in diesem Zusammenhang verbrauchen, wird als Leistungsumsatz bezeichnet. Je nachdem, wie aktiv du bist, kannst du dich in einen bestimmten Aktivitätsgrad (PAL-Faktor; physical activity level) einordnen. Je aktiver, desto mehr Energie verbrauchst du zusätzlich zu deinem Grundumsatz.

Alles zusammen ergibt deinen Energiebedarf. Also die Kilokalorien, die du zu dir nehmen darfst bzw. musst, um dein Gewicht konstant zu halten.

Wenn du genau wissen möchtest, wie hoch bei dir der Kalorienbedarf ist und welcher Aktivitätsgrad bei dir zutreffend ist, kannst du unseren Kalorienrechner verwenden.

Wer Abnehmen möchte braucht ein Kaloriendefizit

Wer sein Gewicht reduzieren möchte, muss dafür sorgen, dass der Energieverbrauch höher ist, als die über Nahrung zugeführte Energiemenge. Klingt banal?

Diese Aussage ist die einzig unumstößliche Abnehm-Wahrheit! Egal, welche Diät du machst, welches Ernährungskonzept du verfolgst, welchem Guru du nacheiferst. An diesem zentralen Satz ändert niemand etwas.

Das Kaloriendefizit kannst du auf zwei Arten erreichen:

  • Du verringerst deine Energieaufnahme (du isst weniger Kalorien) = Änderung der Ernährung
  • Du erhöhst deinen Energiebedarf (Kalorienverbrauch) = Änderung deines Aktivitätslevels

Womit du tatsächlich anfangen solltest

Bevor es um Trainingspläne geht, eine unbequeme Wahrheit: Die meisten Menschen, die trotz Sport nicht abnehmen, essen mehr, als sie glauben. Nicht aus Unehrlichkeit, sondern weil sich Portionsgrößen im Kopf systematisch nach unten verschieben. In Untersuchungen zur Selbsteinschätzung unterschätzen Teilnehmer ihre Zufuhr regelmäßig um zwanzig bis fünfzig Prozent.

Deshalb steht am Anfang nicht die Laufschuhwahl, sondern eine Küchenwaage. Zwei Wochen abwiegen reichen aus, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie viel hundert Gramm Nudeln oder ein Esslöffel Öl wirklich sind. Danach brauchst du sie nur noch stichprobenartig.

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Das zweite Werkzeug ist eine Waage, die mehr misst als das Gewicht. Warum das wichtig ist, siehst du im nächsten Kapitel: Wer nur auf die Kilos schaut, verwechselt Wasserverlust mit Fettverlust und wird sich früher oder später über einen scheinbaren Stillstand ärgern, der keiner ist.

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Warum die Waage schwankt, ohne dass du zunimmst

Ein Kilogramm Körperfett entspricht rund siebentausend Kilokalorien. Wenn deine Waage über Nacht anderthalb Kilo mehr zeigt, hast du also nicht plötzlich zehntausend Kilokalorien zu viel gegessen. Du siehst etwas anderes.

UrsacheWie starkWie lange
Kohlenhydratreiche Mahlzeitbis 2 kgein bis drei Tage, jedes Gramm Glykogen bindet rund drei Gramm Wasser
Viel Salz am Vortag0,5 bis 1,5 kgein bis zwei Tage
Ungewohnt hartes Training0,5 bis 1 kgzwei bis drei Tage, Wassereinlagerung in der belasteten Muskulatur
Zyklusbedingt1 bis 2 kgmehrere Tage bis zur Regelblutung
Darminhaltbis 1 kgje nach Ballaststoffmenge

Der praktische Umgang damit ist einfach. Wieg dich täglich unter gleichen Bedingungen, also morgens nach dem Toilettengang und vor dem Frühstück, und schau nie auf den Einzelwert. Was zählt, ist der Wochendurchschnitt im Vergleich zur Vorwoche. Fällt der über zwei bis drei Wochen nicht, stimmt dein Defizit nicht, und keine zusätzliche Trainingseinheit wird das reparieren.

Abnehmen ist nicht gleich Abnehmen!

Wer einfach nur weniger auf die Waage bringen möchte, der kann von mir aus abnehmen. Dabei ist es dann egal, ob Fett, Muskulatur oder Wasser den Gewichtsverlust bedingen. Hauptsache leichter!

Wie viel Kalorien für 1 Kilogramm Körpergewicht
1 kg Abnahme (Substanz, nicht Wasser, Darminhalt und Glykogenspeicher) erfordert die Einsparung von etwa 7000 kcal.

Aber ist das dann wirklich sinnvoll?

Die eingangs erwähnten Aussagen, die den Nutzen von Sport im Zusammenhang mit Gewichtsreduktion in Frage stellen, führen folgende Argumente ins Feld:

  1. Sport verbraucht viel weniger Kalorien als die meisten denken
  2. Wer Sport treibt, „gönnt“ sich anschließend meistens etwas

Ja, beide Aussagen sind durchaus zutreffend. Das Benzin Beispiel zeigt, wie gnadenlos effizient unser Körper die Energie aus der Nahrung einsetzen kann. Rechne doch mit unserem Rechner Kalorien in Sport umrechnen aus, wie lange du Joggen oder Schwimmen musst, um eine Pizza zu verbrennen.

Aber ist es denn überhaupt zulässig, die beiden „Kritikpunkte“ ins Feld zu führen? Ist Sport überflüssig, wenn es darum geht, die Pfunde purzeln zu lassen?

Natürlich nicht, Aufklärung ist erforderlich!

Man muss die Menschen aufklären. Sie müssen wissen, dass Sport nicht in wenigen Minuten die Energie verbrennt, die man sich mittags mit einer Schweinshaxe einverleibt. Wenn du Sport machst, gönne dir keine größere Portion und keinen zusätzlichen Nachtisch. Mache deine Erfolge nicht zunichte, indem du beim Sport ein ISO-Getränk zu dir nimmst und dir damit mehr Energie zuführst, als du verbrauchst!

Wer die Kalorienzufuhr konstant hält und seinen Energiebedarf durch Sport erhöht, wird abnehmen.

Sieh dir an, mit welchem Sport man in etwa wie viele Kalorien verbraucht.

Das Ziel ist Fettverlust

Du wirst in einer Sporteinheit kein Kilo Fett verbrennen, aber auf lange Sicht sehr wohl!

Fett ist ein Energiespeicher für schlechte Zeiten. Wann hattest du zuletzt einmal wirklich Probleme, dir etwas zu Essen zu besorgen? Ich meine damit nicht den Tag, als du zu spät vorm Supermarkt angekommen bist!

Diese Fettdepots sind bei uns nicht mehr erforderlich, sie werden nicht oder kaum mehr von unserem Körper herangezogen, um Energie zu liefern. Stattdessen sorgen wir durch stetigen Nachschub an Energie dafür, dass unser Organismus immer mehr und mehr Fett einlagert.

Dieses Fett musst du loswerden und nicht etwa deine wertvolle Muskulatur. Die Muskulatur ist ein Quell der Jugend, sie hilft dir dabei, den Alltag mit Leichtigkeit zu meistern, gibt deinem Körper Form und verbraucht auch in Ruhe Energie!

Passend dazu

Wie du deinen Körperfettanteil bestimmst und was die Zahl über dich aussagt, steht im Beitrag Optimaler Körperfettanteil.

Vielleicht erkennst du an dieser Stelle bereits, wieso Sport beim Abnehmen einen hohen Stellenwert haben muss?

Sport hat einen hohen Stellenwert beim Abnehmen

Mit Sport, auch moderatem Sport, erhöhst du deinen Leistungsumsatz. Kombiniert man das mit einer etwas umgestellten Ernährung, hast du eine Medizin für dich entdeckt, die kein Pharmakonzern der Welt in eine Pille pressen kann.

Denn Sport sorgt nicht nur für ein Energiedefizit, Sport schützt auch die vorhandene Muskulatur vor dem Abbau. Machst du keinen Sport, greift dein Körper während einer Diät nämlich nicht (nur) deine Fettreserven an, sondern er wird sich so richtig gütlich an deiner Muskulatur tun. Unser Körper steht nämlich auf dem Standpunkt, dass alles, was Energie verbraucht und nicht benötigt wird, abgebaut werden kann. Wer nur weniger isst, dem schrumpfen seine Muskeln weg.

Die Konsequenz ist, du ahnst es sicher bereits, ein sinkender Grundumsatz. Du darfst jetzt noch weniger essen als vor der Diät, weil der Körper einfach weniger Energie in Ruhe verbraucht. Bemerkbar macht sich dieser Umstand durch den so genannten Jo-Jo-Effekt.

Sport schützt deine Muskeln nicht nur vor dem Abbau, sondern baut auch neue Muskeln auf. Schließlich gibst du deinem Körper durch den Sport das Signal, dass er sich an neue Belastungen anpassen muss. Und dies tut er, indem er Muskeln aufbaut, das Herz-Kreislauf-System optimiert, den Stoffwechsel anders organisiert, etc.

Sport setzt eine Vielzahl an sehr positiven Anpassungsvorgängen in deinem Körper in Gang. Von diesen profitierst du auch dann, wenn du kein Gramm abnimmst! Ebenfalls nicht zu unterschätzen sind die Auswirkungen auf die Seele. Sport macht, mit der richtigen Intensität ausgeführt, gute Laune und baut Stress ab. Gerade Ausdauersport (z.B. Walken, Laufen, Schwimmen, Radfahren) im Freien ist enorm wirksam, wenn es um Stressabbau geht.

Kraft oder Cardio zum Abnehmen?

Beides hat seinen Platz, erfüllt aber unterschiedliche Aufgaben. Krafttraining ist der beste Schutz für deine Muskeln: Aktuelle Studien zeigen, dass es im Kaloriendefizit die fettfreie Masse deutlich besser erhält als reines Ausdauertraining. Ausdauertraining verbrennt dafür mehr Kalorien pro Einheit und stärkt Herz und Kreislauf. Die beste Kombination ist deshalb: Kraft als Basis, um die Muskeln zu halten, ergänzt um etwas Cardio für Verbrauch und Gesundheit. Einen einfachen Einstieg ins Krafttraining bietet dir der 5×5-Trainingsplan.

Eiweiß und ein moderates Defizit schützen die Muskeln

Zwei Stellschrauben entscheiden mit darüber, ob du Fett oder Muskeln verlierst. Erstens die Eiweißzufuhr: Wer im Defizit reichlich Protein isst (grob 1,6 bis 2,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht), gibt dem Körper das Baumaterial, um Muskeln zu halten. Was dafür auf den Teller gehört, zeigt dir der Ratgeber was du essen musst, um abzunehmen. Zweitens die Höhe des Defizits: Ein moderates Minus von rund 300 bis 500 Kalorien pro Tag lässt dich stetig Fett verlieren, ohne dass die Muskeln übermäßig leiden. Wer zu radikal hungert, verliert schneller wertvolle Muskulatur.

NEAT: die unterschätzte Alltagsbewegung

Der größte Teil deines aktiven Verbrauchs steckt oft nicht im Workout, sondern in der Alltagsbewegung, im Fachjargon NEAT (non-exercise activity thermogenesis). Schritte, Treppe statt Aufzug, Stehen statt Sitzen: Das summiert sich über den Tag häufig stärker als die halbe Stunde auf dem Laufband. Ein Nebeneffekt erklärt auch die eingangs erwähnten Schlagzeilen: Viele bewegen sich nach einer harten Einheit unbewusst weniger oder essen mehr und machen den Verbrauch so teilweise wieder wett. Wer das weiß, kann gezielt gegensteuern.

Was eine Trainingseinheit wirklich einbringt

Hier lohnt ein nüchterner Blick auf die Zahlen, denn zwischen dem, was das Gerät anzeigt, und dem, was am Ende als Defizit übrig bleibt, liegt eine erhebliche Lücke.

Interaktiv
Was eine Trainingseinheit wirklich bringt

Wähl deine Sportart und sieh, wie viel davon am Ende als Defizit übrig bleibt.

Gerechnet wird über MET-Werte, also den Faktor, um den eine Tätigkeit über deinem Ruheverbrauch liegt. Der Kompensationsabschlag ist ein Erfahrungswert aus der Forschung zum Energieausgleich und fällt individuell sehr unterschiedlich aus. Wer sein Essen mitschreibt, kompensiert deutlich weniger.

Warum so viel verschwindet

Drei Abzüge stecken zwischen der Zahl auf der Uhr und deinem tatsächlichen Defizit.

Der erste ist banal: Deinen Ruheumsatz hättest du auch verbraucht, wenn du auf dem Sofa gelegen hättest. Eine Stunde Joggen zeigt vielleicht siebenhundert Kilokalorien an, achtzig davon wären ohnehin angefallen.

Der zweite heißt Kompensation und ist der größere Posten. Nach einer harten Einheit isst du im Schnitt mehr, und zwar ohne es bewusst zu entscheiden. Dazu kommt, dass du dich für den Rest des Tages weniger bewegst, weil der Körper die Ausgabe wieder hereinholen will. Beides zusammen frisst je nach Sportart ein Fünftel bis ein Drittel des Ertrags.

Der dritte ist die schlichte Fehleinschätzung. Fitnessuhren überschätzen den Verbrauch bei den meisten Aktivitäten deutlich, in Untersuchungen um zwanzig bis dreißig Prozent. Wer diese Zahl in eine Ernährungsapp einträgt und sich das Essen dafür gutschreibt, hebt sein Defizit teilweise komplett auf.

Der Befund, der die Rechnung durcheinanderbringt

Die Vorstellung, dass mehr Bewegung linear mehr Verbrauch bedeutet, hat einen Dämpfer bekommen. Die Arbeitsgruppe um Herman Pontzer hat den Gesamtenergieumsatz der Hadza in Tansania gemessen, einer Gruppe, die bis heute als Jäger und Sammler lebt. Hadza-Männer und -Frauen legen ein Vielfaches der Schritte zurück, die ein westlicher Erwachsener schafft, und leisten dabei körperlich harte Arbeit.

Erwartet wurde ein deutlich höherer Tagesverbrauch. Gemessen wurde: kein bedeutsamer Unterschied zu Erwachsenen in Industrieländern.

Die Erklärung dafür läuft unter dem Begriff des gedeckelten Energieverbrauchs. Der Körper scheint seinen Gesamtumsatz in einem relativ engen Rahmen zu halten und spart bei starker Belastung an anderer Stelle ein, etwa bei Entzündungsprozessen, beim Stresshormonhaushalt und bei der unbewussten Alltagsbewegung. Er rechnet also nicht einfach drauf.

Was das für dich heißt

Der Unterschied zwischen dir und einem Menschen, der den ganzen Tag in Bewegung ist, liegt weniger auf der Verbrauchsseite als vermutet. Übergewicht ist deshalb in erster Linie ein Problem der Zufuhr. Das entwertet Sport nicht, es verschiebt nur seine Rolle, und zwar von der Abnehmhilfe zum Werkzeug für alles, was danach kommt.

Wofür Sport dann wirklich taugt

Wer bis hierhin gelesen hat, könnte den Schluss ziehen, Training sei beim Abnehmen Zeitverschwendung. Das wäre der falsche Schluss, denn die drei wichtigsten Beiträge stehen gar nicht auf der Kalorienseite.

Er entscheidet, was du verlierst

Im Defizit verliert dein Körper immer beides, Fett und Muskeln. Wie sich das aufteilt, hängt fast ausschließlich an zwei Hebeln, nämlich Krafttraining und ausreichend Eiweiß. Ohne beides können bis zu einem Viertel des verlorenen Gewichts aus Muskulatur bestehen. Mit beidem lässt sich der Anteil auf einen kleinen Rest drücken.

Das ist kein kosmetisches Detail. Weniger Muskulatur bedeutet einen niedrigeren Grundumsatz, und damit machst du dir das Halten des neuen Gewichts systematisch schwerer.

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Woran du merkst, ob es funktioniert

Das Praktische am Krafttraining im Defizit ist, dass es dir eine Rückmeldung gibt, die keine Waage liefern kann. Deine Leistung im Training ist der ehrlichste Indikator dafür, ob du gerade Fett verlierst oder deine Muskulatur mit abbaust.

Die Regel dazu ist einfach: Solange du deine Gewichte und Wiederholungen hältst, behältst du in aller Regel auch deine Muskulatur. Wenn deine Leistung dagegen über zwei, drei Wochen kontinuierlich einbricht, ist dein Defizit zu groß, dein Schlaf zu kurz oder dein Eiweiß zu knapp. Das merkst du im Training Wochen früher, als es die Waage oder der Spiegel zeigen.

Genau deshalb ist ein Trainingslog im Defizit wertvoller als in jeder anderen Phase. Aus dem Gedächtnis lässt sich nicht rekonstruieren, ob du vor drei Wochen wirklich zehn Wiederholungen geschafft hast oder nur acht. Notiert dagegen siehst du den Trend sofort und kannst gegensteuern, bevor Muskulatur verloren geht. Ich nutze dafür mein eigenes Trainingslog.

Eiweiß ist der zweite Hebel

Krafttraining gibt deinem Körper das Signal, die Muskulatur zu behalten. Das Baumaterial dafür musst du liefern. Im Defizit heißt das 1,8 bis 2,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht, also deutlich mehr als die oft zitierten 0,8 Gramm aus den allgemeinen Empfehlungen.

Der Grund für den Aufschlag: Bei knapper Energie greift der Körper eher auf Aminosäuren als Brennstoff zurück. Wer 80 Kilo wiegt, landet damit bei etwa 160 Gramm am Tag, und das über normale Lebensmittel zu schaffen, gelingt nicht jedem. Ein Shake nach dem Training oder als Zwischenmahlzeit macht die Rechnung deutlich einfacher.

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Nebenbei sättigt Eiweiß von allen Nährstoffen am stärksten und hat den höchsten thermischen Effekt, das heißt, ein Teil der Energie geht schon bei der Verdauung verloren. Beides spielt dir im Defizit in die Hände.

Er entscheidet, ob das Gewicht unten bleibt

Der bestuntersuchte Punkt überhaupt. Menschen, die viel Gewicht verloren und es über Jahre gehalten haben, unterscheiden sich in einer Sache fast durchgängig vom Rest: Sie bewegen sich regelmäßig, meist eine Stunde am Tag oder mehr. Für das Abnehmen selbst war die Ernährung entscheidend, für das Halten ist es die Bewegung.

Er wirkt, während die Waage stillsteht

Blutdruck, Blutzuckerregulation, Schlafqualität, Stimmung, Belastbarkeit im Alltag. All das verbessert sich durch Training messbar, und zwar unabhängig davon, ob du dabei ein Kilo verlierst. Wer nur auf die Waage schaut, übersieht den größeren Teil des Ertrags.

Wie schnell darf es gehen?

Die sinnvolle Spanne liegt bei einem halben bis einem Prozent deines Körpergewichts pro Woche. Bei 90 Kilo sind das 450 bis 900 Gramm, bei 60 Kilo entsprechend 300 bis 600 Gramm.

Wer schneller abnimmt, verliert überproportional Muskulatur, und zwar unabhängig davon, wie gut er trainiert. Dazu kommt, dass sehr große Defizite den Alltag schwer machen. Schlaf, Konzentration und Trainingsleistung leiden, und genau daran scheitern die meisten Diäten, nicht am mangelnden Willen.

Je näher du deinem Zielgewicht kommst, desto vorsichtiger solltest du werden. In den letzten Kilos ist ein Defizit von zehn Prozent sinnvoller als eins von zwanzig, weil dein Körper dann ohnehin schon weniger verbraucht und der Muskelschutz wichtiger wird.

Wie du beides sinnvoll kombinierst

Die Aufteilung, mit der die meisten am weitesten kommen, sieht so aus.

BausteinWomitWofür
Das Defizitüber das Essen, etwa 15 bis 20 Prozent unter Bedarfhier entsteht der Gewichtsverlust
Krafttraining2 bis 3 Einheiten pro Wocheschützt die Muskulatur und damit deinen Grundumsatz
Alltagsbewegungfeste Schrittzahl, etwa 8.000 am Tagder größte variable Posten, und der mit dem geringsten Aufwand
Ausdauer1 bis 2 lockere EinheitenHerz und Kreislauf, kaum Kompensation bei niedriger Intensität

Auffällig ist, was hier nicht steht: Das Defizit soll nicht über Sport entstehen. Wer versucht, sich das Essen zu erlaufen, arbeitet gegen den Kompensationseffekt und gegen die eigene Erschöpfung. Rechne deinen Bedarf lieber sauber aus und zieh am Teller ab. Wie das geht, steht im Rechner für den Kalorienbedarf.

Für die Schritte reicht dein Handy, angenehmer ist ein Tracker am Handgelenk, weil du den Wert im Blick behältst, ohne das Telefon dabeizuhaben.

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Fazit

Klar kannst du ohne Sport Gewicht verlieren. Wenn du für ein Kaloriendefizit sorgst, purzeln die Pfunde. Entscheidend ist jedoch, welche Art von Substanz du verlierst. Ziel sollte bei einer Gewichtsreduktion immer sein, möglichst viel überschüssiges Fett zu verlieren und  möglichst wenig kostbare Muskelmasse.

Mit Sport schlägst du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Sport fordert deine Muskeln und signalisiert dem Körper, dass er die Muskeln nicht antasten soll und am besten noch welche dazu packt. Schließlich werden die Kraftwerke benötigt.

Gleichzeitig verbrauchst du beim Sport zusätzlich Kalorien. Du vergrößerst also das Defizit an Energie, welches du eventuell bereits durch eine andere Ernährung aufgebaut hast. Vermeide es, dir nach einer anstrengenden Sporteinheit etwas zu „gönnen“. Rasch hast du ansonsten durch die „Belohnung“ mehr Energie zu dir genommen, als während des Workouts verbraucht.

Denke auch an die unzähligen positiven gesundheitlichen Auswirkungen des Sports. Sport macht glücklich, baut Stress ab, verstärkt Knochen, Bänder und Sehnen, lässt Muskeln wachsen, steigert die Ausdauer,  senkt Blutzucker, Blutdruck und Blutfettwerte und erhöht die Leistungsfähigkeit deines Herz-Kreislauf-Systems.

Du musst und solltest keinen Leistungssport betreiben, sondern dich moderat und regelmäßig fordern. Also 2 bis 3 Trainingseinheiten pro Woche mit einer Dauer von 20-30 Minuten wären ideal. Ein Arztbesuch solltest du vorab einplanen. Insbesondere dann, wenn du Vorerkrankungen hast und/oder lange keinen Sport mehr gemacht hast.

 

Häufige Fragen zu Sport und Abnehmen

Hilft Sport beim Abnehmen?

Ja. Sport allein verbrennt zwar weniger Kalorien, als viele denken, aber er ist entscheidend, um im Kaloriendefizit Muskeln zu schützen, den Stoffwechsel oben zu halten und die Gesundheit zu verbessern. Den eigentlichen Gewichtsverlust steuerst du über das Kaloriendefizit, vor allem über die Ernährung.

Wie viel Sport sollte ich zum Abnehmen machen?

Für den Einstieg reichen zwei bis drei Einheiten pro Woche zu je 20 bis 30 Minuten, idealerweise mit Schwerpunkt Krafttraining. Genauso wichtig ist die Alltagsbewegung.

Kraft- oder Ausdauertraining zum Abnehmen?

Krafttraining schützt deine Muskeln im Defizit am besten, Ausdauertraining verbrennt mehr Kalorien pro Einheit und stärkt das Herz. Die Kombination aus beidem ist ideal.

Kann man allein mit Sport abnehmen?

Theoretisch ja, praktisch schwer. Weil der Körper sehr effizient arbeitet und man nach dem Sport oft mehr isst, gelingt Abnehmen fast immer leichter, wenn du zusätzlich die Ernährung anpasst.

Warum nehme ich trotz Sport nicht ab?

Meist, weil das Kaloriendefizit fehlt. Wer sich nach dem Training belohnt oder sich sonst unbewusst weniger bewegt, gleicht den Verbrauch wieder aus. Prüfe zuerst deine Kalorienbilanz, bevor du mehr trainierst.

Bildnachweise:

Stockfoto-ID: 249841579 Copyright: bestdesign36

 

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