Energie-Vampir
Gehörst du auch zu denen, die Schwierigkeiten damit haben, Ziele oder die berühmten guten Vorsätze umzusetzen. Wer die Hürde genommen hat und sich klare Ziele gesetzt hat, muss ihn gehen. Den oft mit Steinen gepflasterten Weg zum Ziel.
Nicht nur Hindernisse aller Art werden dir im Weg stehen. Auch heimtückische Zeitgenossen, die dir, oft, ohne dass du es selbst bemerkst, alles Schlecht reden. Energievampire haben dich ins Visier genommen. Du musst handeln, dein Ziel rückt sonst in unerreichbare Ferne.

Zu ambitionierte Ziele
Wir nehmen uns extrem viel vor und wollen das in extrem kurzer Zeit erreichen. Wir möchten das Ruder komplett herumreißen, uns neu definieren und deutlich sichtbare Ergebnisse schaffen. Unsere Ungeduld führt dann noch dazu, dass wir uns zu wenig Zeit gönnen. Damit überfordern viele einfach Physik, Chemie und Biologie. Man setzt sich also Ziele, die von niemandem erreicht werden können, weil es Naturgesetze gibt, die dem entgegenstehen. Der Weltrekord für 100 m liegt bei den Herren bei 9,69 s. Angenommen, du weißt das nicht. Deine derzeitige Leistung liegt bei 14 Sekunden. Und weil du hart trainieren willst und imposante Ergebnisse erzielen möchtest, setzt du dir das Ziel: „Im kommenden März laufe ich 9 s auf die 100 m.“
Man wird schon auf dem Weg zu diesem Ziel derart kläglich scheitern, dass man demotiviert mit beschädigtem Selbstwertgefühl („Ich bringe es einfach nicht!“) aus der Sache herausgehen wird!
Ich habe bewusst ein Beispiel gewählt, bei dem du zu den Wissenden gehörst. Wenn es aber um gesundes Abnehmen, Muskelaufbau und Leistungssteigerung geht, braucht es spezielles Wissen, um nicht bereits bei der Zielsetzung Fehler zu machen. Du musst dir entweder dieses Wissen aneignen oder dich an jemanden wenden, der dieses Wissen und die Erfahrung hat.
Warum fährt der Arzt sein Auto in die Werkstatt? Weil er weiß, dass er nicht weiß, wie man ein Auto repariert.
Warum gibt es Ernährungsberater und Personal Trainer? Genau! Es ist deren Fachgebiet, dir dabei zu helfen, deine fitness-relevanten Ziele zu formulieren und zu erreichen.
Sieh dir einmal die beiden Artikel an, die dir zumindest in den Teilbereichen Muskelaufbau und Abnehmen Tipps geben, wie du dir realistische Ziele setzen kannst.
Rechner: Ist dein Ziel überhaupt möglich?
Bevor wir zu den Vampiren kommen, der unbequeme Teil: Ein erheblicher Anteil der gescheiterten Vorsätze scheitert nicht an Nörglern, sondern daran, dass die Zahl von Anfang an nicht ging.
Rechne dein Vorhaben einmal durch. Der Rechner sagt dir nicht, ob du es schaffst – er sagt dir, ob es biologisch überhaupt geht.
Die meisten Vorsätze scheitern nicht an fehlender Disziplin, sondern an einer Zahl, die von Anfang an nicht ging.
Wenn oben „So nicht“ steht, ist das keine schlechte Nachricht. Es ist die beste, die du an Tag eins bekommen kannst: Du korrigierst jetzt eine Zahl, statt in acht Wochen an dir selbst zu zweifeln.
Ich habe in zwanzig Jahren mehr Leute an unrealistischen Zielen scheitern sehen als an mangelnder Disziplin. Und das Schlimme daran ist die Schlussfolgerung, die sie ziehen: nicht „die Zahl war falsch“, sondern „ich bin zu schwach“. Genau dort setzen dann die Energievampire an – bei jemandem, der schon selbst an sich zweifelt.

Energievampire – eine weit verbreitete Plage
Nicht minder gefährlich, als die eigene Unwissenheit, ist eine ganz bestimmte Sorte Mensch!
Kaum äußert man, dass man etwas probieren möchte, eine Sache an sich ändern will, tauchen sie auf. Die Energie Vampire!
Sie haben etwas zu bemäkeln, wissen alles Sache besser, haben da etwas gelesen, gesehen und gehört. Sie möchten dir eine Sache ausreden, mindestens aber schlechtreden.
Energievampire bremsen dich aus, rauben dir Motivation und Energie. Daher der Begriff Energie-Vampir.
Ich schreibe bewusst diffus von einer Sache. Es kann sich um alles handeln. Du willst dich gesünder ernähren, einen bestimmten Sport machen, eine Entspannungstechnik erlernen, einmal etwas mit Lichtgestaltung experimentieren, egal. Alles kann man schlecht reden! Dabei sind die Energie Vampire keinesfalls immer im Umfeld deiner offensichtlichen Feinde zu finden. Sie tarnen sich oft als Freund, denen in Wahrheit nicht viel mehr am Herzen liegt, als dich zu bremsen und klein zu halten. Meist, um selbst größer dazustehen und ein ganz klein wenig Macht ausgeübt zu haben.
Solche Energievampire rauben tatsächlich extrem viel Energie. Sie säen oft Zweifel, die dich aus dem Tritt und ins Grübeln bringen. Bei jedem vermeintlichen Rückschlag auf deinem Weg zum Ziel wirst du dich fragen, ob der verdeckt arbeitende Energievampir vielleicht recht hatte. Du wirst deine Sache in Frage stellen und letztlich wahrscheinlich scheitern.
Diese Art der Demotivation ist äußerst perfide! Selbst kleine Hindernisse und Unsicherheiten erscheinen im Angesicht der gesäten Zweifel oft übergroß!
Die vier Typen – und was jeweils hilft
„Energievampir“ klingt nach einer Sorte Mensch. Tatsächlich sind es vier ziemlich verschiedene, und was gegen den einen hilft, ist beim anderen genau falsch.
Der wichtigste Unterschied liegt zwischen dem Sorgenvollen und den anderen dreien. Der Sorgenvolle meint es gut und trifft trotzdem. Ihn kannst du behalten – du musst nur aufhören, ihm Munition zu liefern.
Warum Menschen das tun
Es hilft, den Mechanismus zu kennen, weil er die Sache entpersonalisiert.
Wenn jemand in deinem Umfeld anfängt, sich zu verändern, entsteht ein Vergleich, den niemand bestellt hat. Der Kollege, der seit Januar joggt, ist für den, der es sich auch vorgenommen hatte, kein neutrales Ereignis – er ist eine tägliche Erinnerung. Es gibt zwei Wege, diese Spannung aufzulösen: selbst anfangen, oder das Vorhaben des anderen kleinreden. Der zweite ist deutlich billiger.
Das ist selten böse Absicht. Die wenigsten sagen sich morgens, dass sie heute jemanden demotivieren. Sie merken nur, dass ihnen etwas unangenehm ist, und der Satz rutscht raus.
Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Nimm es weniger persönlich, als es sich anfühlt – meist geht es nicht um dich. Zweitens, und unbequemer: Du machst es selbst auch. Jeder tut das, wenn jemand im Umfeld etwas anfängt, das man selbst aufgeschoben hat. Wer das bei sich bemerkt, erkennt es bei anderen sofort.
Wappne dich, bevor du redest
Die radikalste Methode ist auch die wirksamste: sich von diesen Zeitgenossen zu trennen. Beim Arbeitskollegen geht das nicht, beim vermeintlichen Freund schon – und dort lohnt es sich meistens.
Für alle anderen Fälle gilt ein Grundsatz, der banal klingt und alles entscheidet: Wer weiß, warum er etwas tut, ist schwer aus dem Konzept zu bringen. Die meisten Zweifel, die ein Nörgler sät, gehen nicht auf seine Argumente zurück, sondern darauf, dass man selbst nicht genau sagen könnte, warum man es so macht und nicht anders.
Deshalb ist Wissen der beste Schutz. Nicht, um zu diskutieren – sondern damit sein Satz bei dir nicht ankommt. Zwei, drei Fakten reichen, und die brauchst du gar nicht auszusprechen.
Und noch etwas hilft, das gern belächelt wird: Überzeugung. Wer von einer Sache überzeugt ist, zieht sie eher durch, und wer sie durchzieht, hat eher Erfolg. Man kann das Placebo nennen – es ändert nichts daran, dass es funktioniert.
Der Energievampir im eigenen Kopf

Der hartnäckigste Energievampir sitzt selten im Büro. Er sitzt zwischen deinen Ohren und redet mit deiner Stimme.
Er sagt Dinge wie: „Das hast du schon dreimal angefangen.“ „Für so was hast du keine Zeit.“ „Bei deiner Genetik lohnt sich das nicht.“ Diese Sätze wirken stärker als alles, was ein Kollege sagen könnte – weil sie von einer Quelle kommen, der du vertraust.
Was dagegen hilft, ist dasselbe wie außen: Belege. Der innere Kritiker argumentiert mit Gefühlen und Erinnerungen, und beide sind schlechte Zeugen. Ein Notizbuch mit acht Wochen Einträgen ist ihm haushoch überlegen, weil es nicht verhandelbar ist.
Und ein Perspektivwechsel: Frag dich, ob du zu einem Freund so reden würdest. Die meisten sagen zu sich selbst Sätze, die sie einem anderen Menschen nie sagen würden. Das ist kein Grund für Selbstmitleid – es ist einfach ein handwerklicher Fehler, den man abstellen kann.
Der praktischste Trick dabei ist erstaunlich schlicht: Formuliere um. Statt „Ich habe es dreimal nicht geschafft“ heißt es „Ich habe dreimal etwas gelernt, was diesmal nicht mehr passiert.“ Das ist kein Selbstbetrug, sondern eine sachlich zutreffendere Beschreibung derselben Vergangenheit.
Antworten auf die häufigsten Sätze
Vorweg: Du musst nicht gewinnen. Das Ziel ist nicht, den anderen zu überzeugen, sondern das Gespräch zu beenden, ohne dass etwas hängen bleibt. Kurze Antworten funktionieren dafür besser als gute.
Was diese Antworten gemeinsam haben: Sie liefern keine Angriffsfläche. Wer sich rechtfertigt, öffnet eine Diskussion – und in einer Diskussion über deine Ziele kannst du nur verlieren, weil du deinen eigenen Erfolg noch nicht beweisen kannst.
Und genau da liegt das stärkste Gegenmittel: Aufschreiben. Nicht für die anderen, sondern für dich. Wer nach acht Wochen schwarz auf weiß sieht, dass die Gewichte gestiegen sind oder die Laufzeit gefallen ist, lässt sich schwerer einreden, dass nichts passiert. Zweifel entstehen im Nebel, und ein Trainingsbuch ist Licht.
Wer lieber mit Gewohnheiten als mit Zielen arbeitet, ist beim Erfolgsjournal zur 1-Prozent-Methode gut aufgehoben. Der Ansatz dahinter passt zu allem, was in diesem Artikel steht: winzige Schritte, täglich abgehakt, statt großer Vorsätze im Januar.
- Wichtiger Hinweis: Es ist ein Bullet Journal und kein Buch
Und wenn du das Konzept dahinter erst verstehen willst, bevor du abhakst, gibt es dazu das passende Arbeitsbuch:
Wenn Reden nicht reicht
Manche Energievampire lassen sich mit einem guten Satz nicht abräumen. Bei ihnen geht es nicht mehr um Argumente, sondern um Grenzen – und die zu ziehen fällt vielen deutlich schwerer als jede Diät.
Im Freundeskreis ist die Sache unangenehm, aber einfach: Wer dich systematisch kleinhält, ist kein Freund. Das muss keine Aussprache mit Ansage werden. Weniger Zeit, weniger Themen, weniger Nähe reicht meistens.
Am Arbeitsplatz geht das nicht, und deshalb ist die wirksamste Strategie dort eine andere: Informationskontrolle. Der Kollege muss nicht wissen, dass du seit sechs Wochen läufst. Wer nichts weiß, kann nichts kommentieren. Das klingt nach Rückzug und ist schlicht praktisch.
In der Familie wird es am schwierigsten, weil man sich nicht aussuchen kann, wer am Tisch sitzt. Hier hilft ein Satz, der die Tür schließt, ohne die Beziehung zu belasten: „Ich möchte darüber nicht diskutieren.“ Und dann Themenwechsel. Beim dritten Mal hat es meistens gesessen.
Wem das schwerfällt – und das ist bei den meisten so, findet zu genau diesem Thema mehr, als in einen Absatz passt:
Ein letzter, banaler Tipp für Großraumbüros: Ein Kopfhörer ist die höflichste Form von „gerade nicht“. Er sagt niemandem etwas Unangenehmes und erspart dir trotzdem drei Gespräche am Tag, die dich Energie kosten.
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Fünf Situationen. Was steckt dahinter – und was tust du?
Häufige Fragen
Was ist ein Energievampir?
Ein Mensch, der dir durch ständiges Schlechtreden, Bedenken und Kleinmachen Motivation und Energie entzieht – meist ohne böse Absicht und oft, ohne es selbst zu merken. Der Begriff beschreibt ein Verhalten, keine Diagnose.
Woran erkenne ich einen Energievampir?
Daran, dass du dich nach dem Gespräch schlechter fühlst als vorher, obwohl nichts Konkretes passiert ist. Und daran, dass die Bedenken ungefragt kommen – wer auf Nachfrage ehrlich antwortet, ist kein Vampir, sondern ein guter Gesprächspartner.
Warum reden andere meine Ziele schlecht?
Weil deine Veränderung einen Vergleich erzeugt, den niemand bestellt hat. Wer sich dasselbe vorgenommen und nicht umgesetzt hat, kann entweder selbst anfangen oder dein Vorhaben kleinreden. Das Zweite ist billiger. Böse Absicht steckt selten dahinter.
Wie reagiere ich am besten auf Schlechtreden?
Kurz und ohne Rechtfertigung. Lange Erklärungen laden zur Diskussion ein, und eine Diskussion über dein Ziel kannst du nicht gewinnen, solange du noch keine Ergebnisse hast. „Kann sein, ich probier’s trotzdem“ beendet mehr Gespräche als jedes Argument.
Was tue ich, wenn der Energievampir ein Kollege ist?
Informationskontrolle statt Konfrontation. Er muss nicht wissen, was du privat vorhast. Wer keine Ansatzpunkte hat, kann nichts kommentieren – und ein Arbeitsverhältnis ist der schlechteste Ort für Grundsatzdiskussionen.
Woran scheitern Vorsätze wirklich?
Deutlich häufiger an unrealistischen Zielen als an fehlender Disziplin. Wer sich vornimmt, in acht Wochen zehn Kilo abzunehmen, scheitert an der Biologie und zieht daraus den falschen Schluss – nämlich, dass er zu schwach sei.
Kann man selbst ein Energievampir sein?
Ja, und die meisten sind es gelegentlich. Der Test ist einfach: Kommt dein Einwand ungefragt? Und würdest du ihn auch dann äußern, wenn du selbst gerade dasselbe konsequent umsetzt?
Fazit
Der Jahreswechsel als Startpunkt ist vollkommen in Ordnung. Das Datum ist nicht das Problem – die Zahl dahinter ist es.
Die Reihenfolge, die funktioniert:
Erst rechnen, dann anfangen. Prüf dein Ziel gegen die Biologie, bevor du losläufst. Ein realistischer Zeitrahmen ist der beste Schutz vor dem Moment, in dem du dir selbst die Schuld gibst.
Dann aufschreiben. Ein Notizbuch schlägt jedes Argument – das des Kollegen und das in deinem eigenen Kopf. Zweifel entstehen im Nebel.
Und dann: weniger erzählen. Der einfachste Schutz vor Energievampiren ist, ihnen keine Angriffsfläche zu geben. Was niemand weiß, kann niemand kommentieren. Erzähl es, wenn du Ergebnisse hast – dann ist die Diskussion ohnehin beendet.
Und wenn du eines mitnimmst, dann das: Die meisten Nörgler meinen es nicht böse. Sie lösen ihre eigene Unruhe auf deine Kosten auf, ohne es zu merken. Das macht die Sätze nicht harmloser, aber es nimmt ihnen die Bedeutung – und du musst niemanden hassen, um dich zu schützen.
Kennst du solche Energievampire? Wie gehst du mit ihnen um?
Zum Hören: die Podcastfolge
Zum selben Thema gibt es eine Folge im Podcast. Michi, Patric und ich sprechen darüber, wie man Ziele so formuliert, dass sie halten – und wie man mit den Leuten umgeht, die einem das ausreden wollen. Wenn du das Thema lieber hörst als liest, fang hier an:
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Ich bin der Meinung, dass Vorsätze nichts bringen. Entweder man ändert jetzt im Moment etwas oder gar nicht. Deshalb habe ich mir vorgenommen im Jahr 2015 genau so weiterzumachen wie im letzten Jahr!