Läuferdreieck & Laufstil: So läufst du effizienter

🔄 Zuletzt umfassend überprüft und aktualisiert: 19. Oktober 2026

Fehler, die sich bei deinem Laufstil einmal einschleichen, können sich teilweise schwerwiegend auswirken. Nicht unbedingt sofort! Wer aber über mehrere Jahre einen fehlerhaften Stil pflegt, bekommt die Rechnung. Und die kann gesalzen sein! Auch kostet es später sehr große Mühe, eingeübte Fehlhaltungen wieder auszumerzen.

Mache von Beginn an alles richtig!

Laufstil

bigstock / avemario

Kurz und knapp: Was ist das Läuferdreieck?

Das Läuferdreieck ist die Armhaltung beim Laufen: Der Ellenbogen steht bei etwa 90 Grad, und wenn der Arm nach hinten schwingt, bilden Oberarm, Unterarm und Rumpf ein Dreieck. Die Arme schwingen dabei parallel in Laufrichtung, nicht quer vor der Brust. Der Sinn dahinter ist ein kurzer Hebel: Ein angewinkelter Arm pendelt schneller als ein gestreckter und passt damit zu einer höheren Schrittfrequenz, weil Arme und Beine im selben Takt arbeiten.

Was macht einen guten Laufstil aus?

Ein guter Laufstil ist vor allem eines: ökonomisch. Du kommst mit weniger Energie voran, schonst Gelenke und Sehnen und läufst dadurch nicht nur schneller, sondern auch verletzungsärmer. Ein guter Laufstil sieht harmonisch und rund aus, ein schlechter wirkt verkrampft, stampfend oder zerfahren. Den einen besten Laufstil oder perfekten Laufstil für alle gibt es dabei nicht: Welcher Laufstil für dich optimal ist, hängt von Körperbau, Tempo und Ziel ab, und so verschieden Menschen sind, so unterschiedlich sehen auch ihre Laufstile aus. Es gibt aber klare Grundprinzipien für einen optimalen, richtigen Laufstil, mit denen du jeden Laufstil verbessern kannst.

Die richtige Laufhaltung

Alles beginnt mit der Haltung. Die richtige Laufhaltung ist aufrecht, aber nicht steif. Stell dir vor, ein Faden zieht dich am Scheitel nach oben: Der Oberkörper ist gestreckt, das Becken leicht nach vorne gekippt, sodass sich der Rumpf von allein aufrichtet. Die Schultern hängen locker, der Blick geht nach vorne (etwa 10 bis 20 Meter), nicht auf die Füße. Eine ganz leichte Vorlage entsteht aus dem Sprunggelenk, nicht aus der Hüfte, du knickst also nicht im Bauch ein. Verspannte Schultern und ein gesenkter Kopf sind die häufigsten Haltungsfehler.

Das Läuferdreieck: die richtige Armarbeit

Die Arme entscheiden über deinen Rhythmus mehr, als die meisten denken. Beim sogenannten Läuferdreieck sind die Arme im Ellenbogen auf etwa 90 Grad (oder etwas weniger) angewinkelt. Schwingt der Arm nach hinten, bilden Oberarm, Unterarm und Rumpf ein Dreieck, daher der Name. Wichtig: Die Arme schwingen parallel zum Körper in Laufrichtung, locker aus der Schulter, niemals quer vor der Brust. So bleibst du im Gleichgewicht und nach vorne ausgerichtet, und eine ruhige Armarbeit zieht die Beine förmlich mit.

Dazu passt das Vokuhila-Prinzip (vorne kurz, hinten lang): Der Fuß setzt vorne mit einem kurzen Schritt nah unter dem Körper auf, während das Bein in der Abstoßphase hinten lang gestreckt wird. Lange Schritte weit nach vorne bremsen dich aus, eine kräftige Hüftstreckung nach hinten treibt dich an.

Warum der Winkel überhaupt eine Rolle spielt, versteht man am schnellsten über den Hebel. Ein gestreckter Arm ist ein langes Pendel und schwingt entsprechend langsam. Winkelst du ihn an, verkürzt du den Hebel, und das Pendel wird schneller. Arme und Beine sind beim Laufen gekoppelt, und ein langer, träger Armschwung passt nicht zu einer hohen Frequenz. Streng genommen führen die Beine und die Arme gleichen den Drehimpuls aus, aber als Korrekturhebel funktioniert der Arm in der Praxis oft besser als das Herumdoktern am Fuß.

Interaktive Grafik
Das Läuferdreieck und die zwei häufigsten Fehler

Schalte zwischen den drei Haltungen um. Die blaue Fläche ist das Läuferdreieck aus Oberarm, Unterarm und Rumpf. Die gestrichelte Linie zeigt, wo dein Körperschwerpunkt steht.

Zwei Dinge lassen sich im Alltag direkt umsetzen. Erstens: Lass die Daumen locker nach vorne oben zeigen. Allein das verhindert meist schon, dass die Hände quer vor dem Bauch kreisen. Zweitens: Stell dir vor, du hättest in jeder Hand ein rohes Ei. Verkrampfte Fäuste wandern die Kette hoch und enden in hochgezogenen Schultern.

Der Fußaufsatz: Fersen-, Mittel- oder Vorfußlauf?

Kaum ein Thema wird so heiß diskutiert wie der Fußaufsatz. Die ehrliche Antwort: Entscheidend ist nicht, ob du auf Vor-, Mittel- oder Ferse landest, sondern wo der Fuß aufsetzt, nämlich möglichst unter dem Körperschwerpunkt und nicht weit davor. Der Mittelfußlauf, bei dem Ballen und Ferse fast gleichzeitig aufkommen, gilt für viele als die natürlichste und gelenkschonendste Variante, belastbar gemessen ist das allerdings kaum. Ein harter Fersenaufsatz weit vor dem Körper wirkt dagegen wie eine Bremse und schickt Stoßkräfte ins Knie. Der Fußaufsatz ist aber nur ein Puzzlestück, Haltung, Schrittlänge und Frequenz wiegen schwerer. Das ist auch der Grund, warum die Umstellung auf Vorfußlauf so oft schiefgeht: Sie verlagert Last vom Knie in Richtung Achillessehne und Wade, ohne dass sich an der eigentlichen Ursache, nämlich dem zu weit vorne landenden Fuß, etwas ändert. Wer den Aufsatzpunkt korrigiert, bekommt den Fußaufsatz meist gratis dazu. Eine Rolle spielen aber auch die richtigen Laufschuhe  (*) und ihr Zustand. Wie lange ein Laufschuh überhaupt taugt, liest du in Wie alt darf ein Laufschuh sein?.

Die Messungen zeigen, wie verbreitet die drei Varianten sind und wohin die Last beim Fersen- und beim Vorfußlauf wandert:

FußaufsatzSo landest duAnteil im RennenWas es mit der Last machtFür wen und wann
FerseFerse zuerst, dann rollt der Fuß ab88,9 %mehr Anpresskraft an der Kniescheibe (5,1- statt 4,3-faches Körpergewicht), weniger Zug an der Achillessehne (5,1- statt 6,3-faches); steilerer Kraftanstieg beim Aufsetzendie meisten, solange der Fuß nah unter dem Körper landet
MittelfußBallen und Ferse fast gleichzeitig3,4 %kaum eigene Messdaten, die meisten Studien vergleichen nur Ferse und Vorfußentsteht oft von selbst, wenn der Aufsatzpunkt stimmt
VorfußBallen zuerst, die Ferse senkt sich danach1,8 %weniger Anpresskraft an der Kniescheibe (4,3- statt 5,1-faches Körpergewicht), mehr Zug an der Achillessehne (6,3- statt 5,1-faches)Tempoläufe; als Umstellung nur über Monate

Anteil: 936 Läuferinnen und Läufer bei Kilometer 10 eines Halbmarathons und Marathons, 5,9 % setzten links und rechts unterschiedlich auf (Larson u. a. 2011). Last: je 19 Sportlerinnen mit natürlichem Fersen- oder Vorfußlauf bei 4 Metern pro Sekunde, also 4:10 Minuten pro Kilometer (Kulmala u. a. 2013), Kraftanstieg: Übersichtsarbeit über 16 Studien (Almeida u. a. 2015).

Bei den Marathonläufern dieser Zählung hing die Endzeit übrigens nicht messbar davon ab, wie jemand aufsetzte. Eine Übersichtsarbeit über 53 Studien fand auch keinen Beleg dafür, dass ein anderer Aufsatz ökonomischer läuft. Fersenläufer, denen man den Mittel- oder Vorfußlauf verordnet hatte, liefen anfangs sogar unökonomischer. Das Fazit der Autoren ist deshalb deutlich: Wer beschwerdefrei über die Ferse läuft, sollte nicht umstellen. Wer es trotzdem tut, um schneller zu werden, tauscht Kniebelastung gegen Wadenbelastung, ohne dass ein Zeitgewinn belegt wäre.

Die richtige Schrittfrequenz

Die Schrittfrequenz (Kadenz) ist die Zahl der Bodenkontakte pro Minute und einer der stärksten Hebel, um deinen Laufstil zu verbessern. Eine höhere Frequenz verkürzt die Bodenkontaktzeit und sorgt fast automatisch für kürzere, sauberere Schritte unter dem Körper. Die meisten Hobbyläufer liegen im lockeren Dauerlauf bei 160 bis 170 Schritten pro Minute, bei schnellem Tempo oder im Wettkampf steigt die Kadenz auf 180 bis 195. Das ist eine Beschreibung, kein Ziel. Zähl beim Laufen einmal 15 Sekunden lang deine Schritte und nimm sie mal vier. Liegst du deutlich darunter, machst du wahrscheinlich zu lange Schritte, dann tritt bewusst etwas kleiner und schneller.

Die 180 sind keine Naturkonstante

Kaum eine Zahl im Laufsport wird so oft falsch zitiert wie diese. Sie geht auf eine Beobachtung des Trainers Jack Daniels zurück, der bei olympischen Läufern im Renntempo fast durchweg 180 Schritte pro Minute oder mehr zählte. Daraus wurde in der Ratgeberliteratur eine Vorgabe für alle, und das war sie nie. Bei einer Weltmeisterschaft über 100 Kilometer lagen die Teilnehmer zwischen 155 und 203 Schritten pro Minute, und zwar alle auf Weltklasseniveau. Beinlänge, Tempo, Untergrund und Sehnensteifigkeit verschieben den sinnvollen Wert erheblich.

Die belastbare Empfehlung lautet deshalb nicht „geh auf 180“, sondern: Nimm deinen eigenen Wert und leg 5 bis 10 Prozent drauf. Genau dieser Bereich ist untersucht, und die Zahlen sind beachtlich: Eine Steigerung um 5 bis 10 Prozent senkte die im Knie aufgenommene Energie um 20 bis 34 Prozent, bei gleichem Lauftempo (Heiderscheit u. a., 2011, 45 Läuferinnen und Läufer). In einer Studie mit Läufern, die unter vorderem Knieschmerz litten, dem sogenannten patellofemoralen Schmerzsyndrom, besserten sich nach zehn Prozent mehr Schritten Schmerz und Funktion nach vier Wochen und auch noch nach drei Monaten.

Rechner
Schrittfrequenz-Rechner: Wie lang ist dein Schritt?

Zähl beim nächsten Lauf 15 Sekunden lang die Schritte eines Fußes und verdopple sie, oder zähl beide Füße. Trag die Zahl hier ein. Der Rechner macht daraus deine Kadenz, deine Schrittlänge und zwei realistische Zielwerte.

Die Schrittlänge ergibt sich aus Tempo und Kadenz, sie wird nicht geschätzt. Die Zielwerte sind die in Studien untersuchten 5 und 10 Prozent über deinem eigenen Wert. Es gibt keine für alle gültige Ziel-Kadenz: Bei einer WM über 100 Kilometer lagen die Teilnehmer zwischen 155 und 203 Schritten pro Minute.

Wer lieber abliest als rechnet: Die Tabelle zeigt dieselbe Rechnung. Zähl 15 Sekunden lang die Schritte beider Füße, und zwar in deinem lockeren Dauerlauftempo. Welches Tempo das bei dir ist, zeigt der Pulszonen-Rechner im Artikel Lauftempo finden.

Schritte in 15 SekundenKadenz pro MinuteEinordnung im lockeren TempoZiel +5 %Ziel +10 %
35140niedrig, hier liegt der größte Hebel147154
38152niedrig, hier liegt der größte Hebel160167
40160typisch für Hobbytempo168176
42168typisch für Hobbytempo176185
44176solide, Zielwerte nur bei Beschwerden185194
46184hoch, keine Steigerung nötig––
48192hoch, keine Steigerung nötig––

Zielwerte gerundet, Einordnung wie im Rechner oben. Untersucht sind die Stufen +5 und +10 Prozent bei gleichem Tempo (Heiderscheit u. a. 2011).

Und der Haken an der Sache

Ganz umsonst gibt es den Effekt nicht, und das steht in kaum einem Ratgeber. Eine Übersichtsarbeit von 2022 hat 37 Studien zum Thema zusammengetragen. Für die Biomechanik ist die Richtung eindeutig, wenn auch unterschiedlich gut belegt: kleinere Schritte, weniger maximale Kniebeugung in der Stützphase und weniger Hüftadduktion. Bei der Leistung sieht es anders aus. Eine erhöhte Frequenz fühlt sich anstrengender und unrunder an, und der Energieverbrauch steigt eher, als dass er sinkt.

Für dich heißt das: Eine höhere Kadenz ist ein Werkzeug gegen Belastungsprobleme, keine Abkürzung zu schnelleren Zeiten. Und weil die meisten Studien nur den Soforteffekt gemessen haben, ist auch offen, wie viel davon nach einem halben Jahr Gewöhnung noch übrig bleibt. Wer beschwerdefrei läuft und rund aussieht, hat keinen Grund, an seiner Frequenz zu schrauben.

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5 Tipps für den perfekten Laufstil

  1. Kompetente Außenstehende können den Stil meist besser einschätzen als man selbst. Wenn du jemanden kennst, lass ihn deinen Stil bewerten.
  2. Ich wette mit dir, dass du nach einem Blick auf unser Laufstilposter sofort in der Lage bist, bei einem Volkslauf zu beurteilen, ob ein Laufstil gut oder schlecht ist. Lass dich doch einfach einmal beim Laufen filmen. Für eine einfache Videoanalyse genügt ein Smartphone. Du kannst dich so besser einschätzen als in der Bewegung selbst.
  3. Der bereits angesprochene Volkslauf ist eine wahre Fundgrube für Laufstilinteressierte. Du wirst feststellen, dass eines auf einen guten Laufstil zutrifft: Ein guter Laufstil sieht einfach gut aus, er ist harmonisch und ästhetisch. Man muss kein Spezialist sein und kein Lineal anhalten, um das zu erkennen.
  4. Beim Laufen solltest du deine Gedanken immer mal wieder auf den Laufstil ausrichten und ihn bewusst pflegen und korrigieren. Gerade als Anfänger ist dies sehr wichtig.
  5. Gerade als Anfänger solltest du dich nicht aus falsch verstandenem Ehrgeiz überlasten. Erschöpfte Läufer haben einen miserablen Laufstil. Du als Anfänger übst die Haltung aber erst ein. Also moderat und technisch sauber!

Der Stil ist die eine Hälfte eines guten Laufs, die Einteilung die andere. Wie du das Tempo vom ersten bis zum letzten Kilometer einteilst, zeigen die 5 Regeln für den perfekten Lauf samt Pacing-Rechner.

Der blinde Fleck: die Hüfte

Fast alle Laufstil-Ratgeber schauen nach unten, auf den Fuß, oder nach oben, auf die Arme. Dazwischen liegt die Stelle, an der bei vielen Hobbyläufern das eigentliche Problem sitzt.

Schau dir dein Video noch einmal an, diesmal frontal und nur auf die Hüfte. Kippt das Becken beim Aufsetzen sichtbar zur Seite, sackt also die Hüfte der Schwungbeinseite ab? Dann arbeitet die seitliche Gesäßmuskulatur des Standbeins nicht mit. Genau dieses seitliche Wegkippen ist einer der Punkte, die sich messbar bessern lassen: In der Studie zu vorderem Knieschmerz ging es bei zehn Prozent mehr Schritten um gut drei Grad zurück. Man kann ihn aber auch direkt trainieren, und das dauert keine zehn Minuten pro Einheit.

Aus meiner Praxis

Bei Läuferinnen und Läufern, die über Knieprobleme klagen, finde ich das Becken-Kippen häufiger als jeden Fußaufsatzfehler. Es fällt nur niemandem auf, weil alle von der Seite filmen. Dreh die Kamera einmal nach vorn, dann siehst du es in zehn Sekunden.

Zwei Übungen reichen als Einstieg. Erstens die seitliche Abduktion mit Miniband: Band knapp oberhalb der Knie, Seitschritte in leichter Kniebeuge, drei Sätze zu 15 Schritten je Richtung. Zweitens die Beckenheber im Einbeinstand: auf einer Stufe stehen, das freie Bein langsam absenken und die Hüfte wieder aktiv heben, drei Sätze zu zehn Wiederholungen je Seite.

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Laufstil verbessern: Übungen und Drills

Den Laufstil verbessert man nicht durch Nachdenken allein, sondern durch gezielte Technikübungen. Das klassische Lauf-ABC, also Fußgelenkarbeit, Anfersen, Kniehebelauf und Skippings, schult Koordination, Frequenz und einen sauberen Fußaufsatz. Bau zwei- bis dreimal pro Woche ein paar Minuten davon ins Aufwärmen ein. Auch kurze, lockere Läufe barfuß auf der Wiese fördern ein natürliches Abrollen. Dosier sie sehr knapp: Barfuß landen die meisten über den Vorfuß, und die Wade arbeitet dabei deutlich mehr.

Die Reihenfolge ist dabei nicht egal. Fang klein an und arbeite dich nach oben: erst Fußgelenkarbeit, dann Anfersen, dann Kniehebelauf, zum Schluss zwei bis drei Steigerungsläufe über 60 bis 80 Meter. Wer mit dem Kniehebelauf einsteigt, überträgt die Spannung von oben nach unten, und das Lauf-ABC baut genau andersherum auf.

Zwei Hilfsmittel machen das Üben spürbar einfacher. Eine Koordinationsleiter gibt der Fußgelenkarbeit ein festes Raster vor, sodass die Schritte klein bleiben, auch wenn die Konzentration nachlässt. Und für die Videoanalyse brauchst du kein Kamerateam, aber eben eine Halterung, die das Handy in Hüfthöhe stabil stehen lässt. Aus der Hand gefilmte Aufnahmen wackeln zu sehr, um einen Fußaufsatz zu beurteilen.

Und lass dich wirklich filmen: Eine simple Videoanalyse mit dem Smartphone zeigt dir Haltungsfehler, die du in der Bewegung selbst nie bemerkst. Film einmal von der Seite und einmal frontal, immer erst nach zehn Minuten Einlaufen und in deinem normalen Dauerlauftempo. Kalt und im Sprint läuft niemand so, wie er wirklich läuft. Und behalte den Spaß: Wer mit Freude am Laufen dranbleibt, verfeinert seinen Stil ganz von allein.

Die Wadenfalle, und wann sie wirklich zuschnappt

Jede Veränderung am Laufstil verschiebt Last, sie nimmt sie nicht weg. Nur verschiebt sie nicht immer dahin, wo man es erwartet, und genau hier kursiert ein häufiger Irrtum. Kürzere Schritte allein belasten die Achillessehne nämlich nicht stärker. Eine Untersuchung an 19 Läuferinnen hat Fußaufsatz und Schrittfrequenz getrennt voneinander variiert. Ergebnis: Fünf Prozent mehr Schritte senkten die Spitzenspannung in der Achillessehne, und zwar unabhängig davon, ob über Ferse oder Vorfuß gelandet wurde. Was die Sehne wirklich fordert, ist der Wechsel zum Vorfußlauf. Die Wadenfalle schnappt also bei denen zu, die gleich beides umstellen: mehr Frequenz und einen bewusst weiter vorn gesetzten Fuß. Wer nur an der Frequenz dreht, muss sich um die Wade wenig sorgen. Wer den Fußaufsatz umbaut, sollte sich dafür Monate nehmen statt Wochen, denn Sehnen passen sich deutlich langsamer an als Muskeln.

Praktisch heißt das in beiden Fällen: Nimm dir die Änderung für die ersten Minuten eines Laufs vor, nicht für die ganze Einheit. Ziehen die Waden, gehst du eine Woche zurück statt durch.

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Der Laufstil-Check zum Ausdrucken

Alles, was bis hierher steht, nützt dir beim nächsten Lauf nur, wenn du es dabeihast. Deshalb haben wir den ganzen Check auf drei Seiten gepackt: eine Zwölf-Punkte-Liste zum Abhaken während des Videodurchgangs, die Kadenz-Tabelle zum Ablesen, das Lauf-ABC mit Dosierung und einen Sechs-Wochen-Fahrplan, mit dem du deine Frequenz in Schritten steigerst, die dein Körper mitmacht. Auf der letzten Seite ist Platz für deine Notizen, damit der zweite Videodurchgang in sechs Wochen etwas zum Vergleichen hat.

Laufstil-Check als PDF

Drei Seiten zum Ausdrucken: Checkliste, Kadenz-Tabelle, Lauf-ABC und der Sechs-Wochen-Fahrplan. Kostenlos, ohne Anmeldung.

PDF herunterladen

Häufige Fehler im Laufstil

Vier Fehler tauchen bei fast allen Anfängern auf. Der erste sind zu lange Schritte, bei denen der Fuß weit vor dem Körper landet und bremst. Der zweite sind verspannte, hochgezogene Schultern und Arme, die quer vor der Brust schwingen. Der dritte ist der Blick nach unten auf die Füße, der den Oberkörper nach vorne kippen lässt. Der vierte ist ein zu hartes Aufstampfen auf der Ferse. Die gute Nachricht: Fast alles davon korrigierst du über eine höhere Schrittfrequenz und eine aufrechte Haltung fast von allein.

Quiz
Wie gut kennst du deinen Laufstil?

Fünf Fragen, alle Antworten stehen im Artikel.

Häufige Fragen zum Laufstil

Was ist ein guter Laufstil?

Ein guter Laufstil ist ökonomisch, harmonisch und gelenkschonend: aufrechte Haltung, lockere Armarbeit im Läuferdreieck, ein Fußaufsatz unter dem Körperschwerpunkt und eine passende Schrittfrequenz.

Was ist das Läuferdreieck?

Das Läuferdreieck beschreibt die Armhaltung beim Laufen: Die Arme sind im Ellenbogen auf etwa 90 Grad angewinkelt, beim Rückschwung bilden Oberarm, Unterarm und Rumpf ein Dreieck. Die Arme schwingen parallel in Laufrichtung, nicht quer vor der Brust.

Welcher Fußaufsatz ist der richtige?

Wichtiger als Vor-, Mittel- oder Fersenlauf ist, dass der Fuß unter dem Körperschwerpunkt aufsetzt. Der Mittelfußlauf gilt für viele als natürlichste und gelenkschonendste Variante.

Wie kann ich meinen Laufstil verbessern?

Mit Lauf-ABC (Skippings, Anfersen, Kniehebelauf), einer höheren Schrittfrequenz, einer aufrechten Haltung und einer Videoanalyse per Smartphone. Trainiere moderat und technisch sauber, nicht erschöpft.

Wie hoch sollte die Schrittfrequenz sein?

Die meisten Hobbyläufer liegen im lockeren Dauerlauf bei 160 bis 170 Schritten pro Minute, bei schnellem Tempo bei 180 bis 195. Das beschreibt, wo Menschen tatsächlich laufen, es ist kein Sollwert. Dein sinnvoller Wert hängt von Tempo, Beinlänge und Untergrund ab.

Wie viele Schritte pro Minute sind beim Laufen richtig?

Es gibt keinen Wert, der für alle stimmt. Die oft zitierten 180 stammen aus einer Beobachtung an olympischen Läufern im Renntempo. Bei einer Weltmeisterschaft über 100 Kilometer lagen die Teilnehmer zwischen 155 und 203 Schritten pro Minute. Sinnvoll ist, den eigenen Wert zu messen und ihn um 5 bis 10 Prozent zu steigern, wenn du Beschwerden hast oder dein Schritt deutlich zu lang ist. Wer beschwerdefrei läuft, muss nichts ändern.

Schützt eine höhere Schrittfrequenz vor Verletzungen?

Für die Biomechanik ist der Effekt gut belegt: 5 bis 10 Prozent mehr Schritte senken die im Knie aufgenommene Energie um 20 bis 34 Prozent. Für die Verletzungshäufigkeit selbst ist die Datenlage dünn, am besten belegt ist die Besserung bei vorderem Knieschmerz. Der Energieverbrauch steigt dabei eher, als dass er sinkt.

Wie filme ich meinen Laufstil richtig?

Handy in Hüfthöhe stabil aufstellen, nicht aus der Hand filmen. Zweimal vorbeilaufen, einmal von der Seite und einmal frontal. Erst nach zehn Minuten Einlaufen filmen und im normalen Dauerlauftempo, nicht schneller. Von der Seite beurteilst du Haltung, Arme und Fußaufsatz, frontal siehst du, ob das Becken seitlich wegkippt.

Laufstil-Poster

Laufstil-Poster: Haltung, Armarbeit und Fußaufsatz im Überblick Laufstil-Poster

Technik ändert sich nicht an einem Tag, und genau deshalb merkt man den Fortschritt so schlecht. Wer seine Kadenz und die Arbeitsaufträge aus dem Check mitschreibt, sieht nach sechs Wochen schwarz auf weiß, was sich bewegt hat.

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2 Kommentare

  1. Werner Triat sagt:

    Die Idee mit dem Laufstilposter ist echt klasse. Weiter so!

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